Wer 2026 eine duale Ausbildung in Deutschland beginnt, unterschreibt keinen gewöhnlichen Arbeitsvertrag. Das Ausbildungsverhältnis dient in erster Linie dem Erwerb beruflicher Fähigkeiten, gleichzeitig haben Auszubildende Anspruch auf Vergütung, Erholungsurlaub und geregelte Ausbildungszeiten. Besonders häufig entstehen Fragen in den ersten Monaten: Darf während der Probezeit Urlaub genommen werden, kann der Betrieb ohne Frist kündigen und wie hoch muss die Vergütung mindestens sein, die eu-baustoffhandel.de berichtet.
Die gesetzlichen Regeln setzen dabei nur die Untergrenze. Tarifverträge und Ausbildungsverträge können günstigere Bedingungen vorsehen, etwa mehr Urlaub oder eine deutlich höhere Vergütung. Einen breiteren Überblick zu Berufswahl, Bewerbung und Einstieg bietet der Ratgeber zur Ausbildung 2026 in Deutschland.
Entscheidend ist nicht nur, was im Vertrag steht: Vereinbarungen dürfen zwingende Schutzvorschriften für Auszubildende nicht einfach unterschreiten.

Welche Azubi-Rechte 2026 grundsätzlich gelten
Die wichtigsten Regeln einer dualen Berufsausbildung stehen im Berufsbildungsgesetz. Dort ist unter anderem festgelegt, dass der Ausbildungsvertrag Angaben zur täglichen Ausbildungszeit, zur Dauer der Probezeit, zur Vergütung, zu Überstunden, zum Urlaub und zu den Kündigungsbedingungen enthalten muss.
Damit unterscheiden sich die Azubi-Rechte 2026 in mehreren Punkten von einem klassischen Beschäftigungsverhältnis. Der Betrieb beschäftigt einen Auszubildenden nicht nur als Arbeitskraft, sondern muss die Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich sind.
Zu den zentralen Ansprüchen gehören:
- eine angemessene und mindestens jährlich steigende Ausbildungsvergütung;
- bezahlter Erholungsurlaub;
- Freistellung für Berufsschule, Prüfungen und bestimmte Ausbildungsmaßnahmen;
- Einhaltung der gesetzlichen Probezeit;
- besondere Kündigungsregeln nach Ende der Probezeit;
- Vergütung oder Freizeitausgleich für zusätzliche Ausbildungszeit;
- bei Minderjährigen zusätzliche Schutzregeln zu Arbeitszeit, Pausen und Urlaub.
Auch Berufsschulzeiten sind keine private Freizeit des Azubis. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen werden Unterricht, Pausen und notwendige Wegezeiten auf die Ausbildungszeit angerechnet.
Praxis-Kommentar: Ein guter Ausbildungsvertrag nennt Urlaub, Vergütung und Probezeit nicht nur pauschal. Die Beträge für jedes Ausbildungsjahr sowie die vereinbarte tägliche Ausbildungszeit sollten klar nachvollziehbar sein.
Wer wissen möchte, welche allgemeinen arbeitsrechtlichen Regeln daneben gelten, findet zusätzliche Informationen im Beitrag über Arbeitsrecht 2026 in Deutschland.
Urlaub für Azubis 2026: Wie viele Tage stehen zu?
Beim Urlaub für Azubis hängt der gesetzliche Mindestanspruch zunächst vom Alter ab. Volljährige Auszubildende fallen grundsätzlich unter das Bundesurlaubsgesetz, Minderjährige werden zusätzlich durch das Jugendarbeitsschutzgesetz geschützt.
Für Volljährige beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 24 Werktage pro Kalenderjahr. Das Gesetz rechnet dabei mit einer Sechs-Tage-Woche von Montag bis Samstag. Bei einer üblichen Fünf-Tage-Woche entspricht dieser Mindeststandard deshalb 20 tatsächlichen Arbeitstagen Urlaub.
Der Ausbildungsvertrag oder ein Tarifvertrag kann deutlich mehr vorsehen. Sind beispielsweise 28 oder 30 Arbeitstage vereinbart, gilt diese günstigere Regelung.
| Situation | Gesetzlicher Mindestanspruch |
|---|---|
| Volljährig, Sechs-Tage-Woche | 24 Werktage |
| Volljährig, Fünf-Tage-Woche | umgerechnet 20 Arbeitstage |
| Zu Jahresbeginn noch nicht 16 Jahre alt | 30 Werktage |
| Zu Jahresbeginn noch nicht 17 Jahre alt | 27 Werktage |
| Zu Jahresbeginn noch nicht 18 Jahre alt | 25 Werktage |
Bei minderjährigen Auszubildenden ist das Alter zu Beginn des Kalenderjahres maßgeblich. Die im Jugendarbeitsschutzgesetz genannten Werktage basieren ebenfalls auf der Sechs-Tage-Woche. Bei einer anderen Verteilung der wöchentlichen Arbeitstage muss der Anspruch entsprechend umgerechnet werden.
Für Berufsschüler enthält das Jugendarbeitsschutzrecht noch eine weitere Vorgabe: Der Urlaub soll möglichst während der Berufsschulferien liegen. Wird ein minderjähriger Azubi während seines Urlaubs dennoch an einem Berufsschultag unterrichtet, entsteht für diesen Schultag ein zusätzlicher Urlaubstag.
Wann entsteht der volle Urlaubsanspruch?
Der volle gesetzliche Jahresurlaub wird grundsätzlich erstmals nach sechs Monaten erworben. Das bedeutet allerdings nicht, dass während der ersten sechs Monate überhaupt kein Urlaub möglich wäre.
Vor Ablauf dieser Wartezeit entsteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Teilurlaubsanspruch von einem Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des bestehenden Ausbildungsverhältnisses. Der Betrieb kann Urlaub außerdem schon vorher genehmigen.
Eine pauschale Regel „In der Probezeit gibt es keinen Urlaub“ steht nicht im Bundesurlaubsgesetz.
Beginnt die Ausbildung beispielsweise am 1. September, besteht am Jahresende regelmäßig noch kein sechsmonatiges Ausbildungsverhältnis. Für dieses Kalenderjahr ist deshalb der Teilurlaubsanspruch relevant.
Bei der konkreten Urlaubsplanung müssen die Wünsche des Auszubildenden berücksichtigt werden. Dringende betriebliche Gründe oder vorrangige Urlaubswünsche anderer Beschäftigter können jedoch dazu führen, dass ein bestimmter Zeitraum nicht genehmigt wird. Eigenmächtig zu Hause zu bleiben ist keine zulässige Alternative.
Für die Planung rund um gesetzliche Feiertage hilft zusätzlich die Übersicht zu Feiertagen und Brückentagen 2026.
Was passiert bei Krankheit im Urlaub?
Wird ein Auszubildender während eines genehmigten Urlaubs arbeitsunfähig krank, gehen diese Tage nicht automatisch als Urlaubstage verloren. Voraussetzung ist insbesondere, dass die Arbeitsunfähigkeit für die betreffenden Tage ärztlich nachgewiesen wird.

Die Krankheitstage werden dann nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der Urlaub selbstständig nach hinten verlängert. Die neu offenen Urlaubstage müssen erneut mit dem Ausbildungsbetrieb abgestimmt werden.
Probezeit in der Ausbildung 2026
Jedes reguläre Berufsausbildungsverhältnis nach dem Berufsbildungsgesetz beginnt mit einer Probezeit. Die Probezeit in der Ausbildung muss mindestens einen Monat dauern und darf höchstens vier Monate betragen.
Ein Ausbildungsvertrag mit sechs Monaten Probezeit wäre deshalb bei einer Ausbildung nach diesen Vorschriften nicht einfach zulässig. In der Praxis werden häufig vier Monate vereinbart.
Die Probezeit erfüllt für beide Seiten einen konkreten Zweck. Der Betrieb kann beurteilen, ob Zuverlässigkeit, Interesse und praktische Eignung zur Ausbildung passen. Gleichzeitig kann der Azubi feststellen, ob Beruf, Ausbildungsbetrieb und tatsächlicher Arbeitsalltag den Erwartungen entsprechen.
Während dieser Zeit gelten besondere Kündigungsregeln:
- Das Ausbildungsverhältnis kann grundsätzlich jederzeit beendet werden.
- Eine Kündigungsfrist muss während der Probezeit nicht eingehalten werden.
- Ein Kündigungsgrund muss grundsätzlich nicht angegeben werden.
- Die Kündigung muss schriftlich erfolgen; die elektronische Form reicht nicht aus.
Eine Nachricht per Messenger oder eine einfache E-Mail ersetzt damit nicht die vorgeschriebene schriftliche Kündigung.
Arbeitsrechtlicher Praxis-Kommentar: Gerade während der Probezeit sollten Konflikte über Fehlzeiten, Ausbildungsinhalte oder Verhalten früh dokumentiert und besprochen werden. Nach Ablauf der Probezeit ändern sich die Kündigungsmöglichkeiten erheblich.
Kündigung nach der Probezeit ist deutlich schwieriger
Mit dem Ende der Probezeit steigt der Schutz des Auszubildenden. Der Ausbildungsbetrieb kann das Ausbildungsverhältnis dann nicht wie ein normales unbefristetes Arbeitsverhältnis ordentlich kündigen.
Eine fristlose Beendigung ist nach der Probezeit nur aus einem wichtigen Grund möglich. Dafür muss ein Sachverhalt vorliegen, der die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses unzumutbar macht. Ob diese Schwelle erreicht wird, hängt vom konkreten Einzelfall ab.
Auszubildende besitzen zusätzlich eine eigene Kündigungsmöglichkeit. Wer die Berufsausbildung vollständig aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen möchte, kann grundsätzlich mit einer Frist von vier Wochen kündigen.
Das ist von einem bloßen Wechsel desselben Ausbildungsberufs zu einem anderen Betrieb zu unterscheiden. Für solche Fälle sollte die rechtliche Situation vor einer Kündigung genau geprüft und möglichst eine einvernehmliche Lösung gesucht werden.
Ausbildungsvergütung 2026: Diese Mindestbeträge gelten
Für Ausbildungen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2026 beginnen, gelten neue gesetzliche Mindestbeträge. Die Mindestausbildungsvergütung 2026 beträgt im ersten Ausbildungsjahr 724 Euro brutto pro Monat.
Die gesetzlichen Beträge steigen mit jedem Ausbildungsjahr:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung bei Ausbildungsbeginn 2026 |
|---|---|
| 1. Ausbildungsjahr | 724 Euro brutto/Monat |
| 2. Ausbildungsjahr | 854 Euro brutto/Monat |
| 3. Ausbildungsjahr | 977 Euro brutto/Monat |
| 4. Ausbildungsjahr | 1.014 Euro brutto/Monat |
Eine häufige Fehlannahme besteht darin, diese Werte automatisch auf alle Personen zu übertragen, die sich irgendwann im Jahr 2026 in Ausbildung befinden. Maßgeblich ist jedoch grundsätzlich das Jahr, in dem die Ausbildung begonnen wurde. Für einen Azubi, der bereits 2025 gestartet ist, gelten daher nicht einfach die Mindestbeträge des neuen Jahrgangs 2026.
Die Ausbildungsvergütung 2026 ist außerdem nur eine gesetzliche Untergrenze. Viele tarifgebundene Unternehmen zahlen höhere Beträge. Je nach Branche können zusätzlich Urlaubsgeld, Sonderzahlungen, Fahrtkostenzuschüsse oder andere Leistungen vereinbart sein.
„Die Vergütung steigt mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, an.“
Auch der Auszahlungstermin ist geregelt. Die Vergütung für den laufenden Kalendermonat muss spätestens am letzten Arbeitstag dieses Monats gezahlt werden.
Was gilt bei Teilzeitausbildung?
Bei einer Teilzeitberufsausbildung darf die Vergütung unter bestimmten Voraussetzungen entsprechend reduziert werden. Die Kürzung darf jedoch nicht stärker ausfallen als die prozentuale Reduzierung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit.
Ein einfaches Beispiel: Wird die regelmäßige Ausbildungszeit um 20 Prozent reduziert, darf die Vergütung nicht ohne Weiteres um 40 Prozent gekürzt werden.
Bei der Bewertung eines Ausbildungsangebots lohnt außerdem der Blick über den ersten Monatsbetrag hinaus. Die Entwicklungsmöglichkeiten unterscheiden sich stark zwischen Branchen. Einen Überblick über Bereiche mit hohem Fachkräftebedarf gibt der Beitrag zu Berufen mit Perspektive 2026.
Berufsschule, Krankheit und Überstunden: Wann das Geld weiterläuft
Ein Azubi erhält sein Geld nicht nur für Stunden, die unmittelbar im Ausbildungsbetrieb verbracht werden. Für gesetzlich vorgeschriebene Freistellungen muss die Vergütung grundsätzlich weitergezahlt werden.
Dazu gehört insbesondere die Teilnahme am Berufsschulunterricht. Unter den vorgesehenen Bedingungen zählen ebenfalls Prüfungen, verpflichtende Ausbildungsmaßnahmen außerhalb des Betriebs und der Arbeitstag unmittelbar vor der schriftlichen Abschlussprüfung.
Bei unverschuldeter persönlicher Verhinderung sieht das Berufsbildungsrecht ebenfalls eine Fortzahlung der Vergütung für einen begrenzten Zeitraum vor. Bei Krankheit greifen daneben die einschlägigen gesetzlichen Voraussetzungen.
Zusätzliche Arbeitszeit darf nicht einfach kostenlos vorausgesetzt werden. Das Berufsbildungsgesetz verlangt für eine Beschäftigung über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinaus entweder eine besondere Vergütung oder entsprechenden Freizeitausgleich.
Ausbildung bedeutet Qualifizierung. Dauerhafte Mehrarbeit, die hauptsächlich Personallücken schließen soll und keinen Bezug zum Ausbildungszweck hat, ist mit diesem Grundgedanken nicht gleichzusetzen.
Was Auszubildende im Vertrag kontrollieren sollten
Ein Ausbildungsvertrag sollte nicht erst gelesen werden, wenn ein Konflikt entsteht. Mehrere Angaben lassen sich bereits vor der Unterschrift mit dem Stellenangebot und mündlichen Zusagen abgleichen.
Besonders relevant sind:
- Beginn und voraussichtliche Dauer der Ausbildung;
- genaue Ausbildungsstätte;
- tägliche Ausbildungszeit;
- Länge der Probezeit;
- Vergütung für jedes einzelne Ausbildungsjahr;
- Regelung zu zusätzlicher Ausbildungszeit;
- Zahl der Urlaubstage;
- anwendbare Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen;
- Bedingungen für eine Kündigung.
Steht beispielsweise nur ein Betrag für das erste Ausbildungsjahr im Vertrag, obwohl eine mehrjährige Ausbildung vereinbart wird, sollte die Vergütungsstaffel geklärt werden. Gleiches gilt für Unterschiede zwischen einer Stellenanzeige und dem später vorgelegten Vertrag.
Auch Begriffe wie „30 Tage Urlaub“ müssen eindeutig verstanden werden. Entscheidend ist, ob Arbeitstage oder Werktage gemeint sind und auf welcher regelmäßigen Wochenarbeitszeit die Berechnung basiert.
FAQ zu Azubi-Rechten 2026
Wie viel Urlaub hat ein volljähriger Azubi 2026?
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage bei einer Sechs-Tage-Woche. Bei einer regelmäßigen Fünf-Tage-Woche entspricht das 20 Arbeitstagen. Vertrag oder Tarifvertrag können einen höheren Anspruch vorsehen.
Darf ein Azubi in der Probezeit Urlaub nehmen?
Ja. Es gibt kein allgemeines gesetzliches Urlaubsverbot während der Probezeit. Vor Ablauf der sechsmonatigen Wartezeit kann ein Teilurlaubsanspruch bestehen, außerdem kann der Betrieb Urlaub genehmigen.
Wie lange darf die Probezeit bei einer Ausbildung sein?
Bei einer Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz muss sie mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate dauern.
Kann der Betrieb während der Probezeit sofort kündigen?
Grundsätzlich ja. Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist beendet werden. Die vorgeschriebene Form der Kündigung muss dennoch eingehalten werden.
Wie hoch ist das Azubi-Gehalt 2026 mindestens?
Bei einer Ausbildung, die 2026 beginnt, liegt die gesetzliche Mindestvergütung im ersten Ausbildungsjahr bei 724 Euro brutto monatlich. Sie steigt auf 854 Euro im zweiten, 977 Euro im dritten und 1.014 Euro im vierten Ausbildungsjahr.
Werden Berufsschultage bezahlt?
Die gesetzlich vorgesehenen Berufsschulzeiten werden auf die Ausbildungszeit angerechnet. Für die Freistellung ist die Ausbildungsvergütung weiterzuzahlen.
Was 2026 konkret zählt
Rechte in der Ausbildung lassen sich auf drei Kernpunkte reduzieren: Der Vertrag muss gesetzliche Mindeststandards einhalten, die Probezeit darf höchstens vier Monate dauern und die Vergütung muss bei Ausbildungsbeginn 2026 grundsätzlich die vorgesehenen Mindestbeträge erreichen. Beim Urlaub entscheidet neben dem Alter vor allem die Zahl der regelmäßigen Arbeitstage pro Woche.
Wer Vertrag, Tarifbindung, Urlaubstage und Vergütungsstaffel schon vor Ausbildungsbeginn nebeneinanderlegt, erkennt Unstimmigkeiten wesentlich früher. Besonders bei minderjährigen Azubis kommen Schutzvorschriften hinzu, die ein Betrieb nicht durch eine abweichende Vertragsklausel ersetzen kann.
