Die Vogelgrippe greift in Deutschland immer stärker um sich und bringt Landwirte sowie Geflügelbetriebe in große Schwierigkeiten. Seit Wochen melden verschiedene Bundesländer neue Ausbrüche des hochansteckenden Virus H5N1, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit Bezug au mdr.de.
Bereits Hunderttausende Hühner, Enten, Gänse und Puten mussten gekeult und entsorgt werden. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Millionen. Angesichts der dramatischen Lage verlangen Geflügelhalter nun erneut eine bundesweite Stallpflicht, um ihre Bestände zu schützen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Forderung gewinnt zunehmend Unterstützung aus Politik und Wirtschaft.
Geflügelhalter drängen auf schnelle Maßnahmen
Der Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Hans-Peter Goldnick, erklärte im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF, dass bereits ein einziger Kranichkot ausreiche, um eine ganze Herde zu infizieren. Auch der baden-württembergische Verbandsvorsitzende Georg Heitlinger fordert eine sofortige Stallpflicht für alle Geflügelbetriebe. Tiere aus Freilandhaltung müssten demnach auf behördliche Anordnung in geschlossene Ställe gebracht werden, um das Risiko zu minimieren. Ziel sei es, die Infektionsketten zu unterbrechen und die wirtschaftlichen Verluste einzudämmen. Besonders in Regionen mit Zugvögeln, die derzeit in den Süden ziehen, sei die Gefahr einer Einschleppung des Virus extrem hoch.
Eine bundesweite Stallpflicht kann nur durch eine offizielle behördliche Anordnung umgesetzt werden. Ohne diese verlieren Landwirte wichtige Versicherungsansprüche, falls es zu Umsatzausfällen kommt. Zudem dürfen Eier aus Freilandhaltung ohne behördliche Aufstallung nicht mehr unter dem entsprechenden Label verkauft werden. Daher drängen viele Betriebe auf klare gesetzliche Vorgaben, um rechtliche Unsicherheiten zu vermeiden. In einigen Landkreisen, darunter Teile von Niedersachsen und Brandenburg, gilt die Stallpflicht bereits, doch eine einheitliche Regelung auf Bundesebene steht noch aus.
Millionenschäden und Sorgen in der Geflügelbranche
Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) mussten in diesem Jahr bereits rund 400.000 Tiere in Deutschland getötet werden. Besonders betroffen sind große Geflügelbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Dort wurden allein in zwei Anlagen über 150.000 Legehennen gekeult, und weitere 130.000 Tiere sollen in den kommenden Tagen folgen. Der finanzielle Verlust für betroffene Unternehmen beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Auch kleinere Familienbetriebe stehen vor dem Ruin, da viele keine ausreichenden Rücklagen haben. Experten befürchten, dass die Zahl der Fälle in den kommenden Wochen weiter ansteigen wird.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sprach sich für eine deutliche Erhöhung der Entschädigungssummen aus. Derzeit erhalten Tierhalter maximal 50 Euro pro getötetem Tier. Künftig soll die Obergrenze laut Rainer auf 110 Euro angehoben werden, um den realen Marktwert besser abzubilden. Die Mittel stammen aus der Tierseuchenkasse, die Landwirte bei Verlusten durch Tierseuchen unterstützt. „Wer seine Herde verliert, steht oft vor dem Nichts“, betonte der Minister. Die Maßnahme soll insbesondere kleineren Betrieben helfen, ihre Existenz zu sichern.
Kraniche und Wildvögel massiv betroffen
Neben Nutztieren sind auch zahlreiche Wildvogelarten schwer betroffen. Besonders im Linumer Teichland in Brandenburg sterben derzeit Hunderte Kraniche an den Folgen der Infektion. Freiwillige Helfer sammelten dort bis zum Wochenende bereits über 1.500 tote Tiere ein. Fachleute sprechen von einem nie dagewesenen Ausmaß der Epidemie unter Wildvögeln. Da Zugvögel das Virus über große Entfernungen verbreiten, besteht die Gefahr, dass neue Regionen betroffen werden. Das Friedrich-Loeffler-Institut beschreibt die Situation als „dynamisch und besorgniserregend“.
Trotz der massenhaften Tötung von Geflügel rechnet die Branche derzeit nicht mit drastischen Preissteigerungen. Ein Grund dafür ist, dass ein Großteil der in Deutschland verkauften Gänse aus dem Ausland importiert wird, vor allem aus Polen und Ungarn. Dennoch warnen einige Verbände vor möglichen Engpässen bei Eiern und Geflügelprodukten, falls die Epidemie weiter anhält. Besonders vor dem Martinstag am 11. November, wenn die traditionelle Gänsesaison beginnt, könnte die Nachfrage das Angebot übersteigen. Langfristig könnte sich das Preisniveau anpassen, sollte sich die Situation weiter verschlechtern.
Die aktuelle Krise verdeutlicht die Verletzlichkeit der Geflügelbranche. Vertreter der Landwirtschaft appellieren an die Politik, präventive Maßnahmen zu stärken. Dazu gehören bessere Hygienekonzepte, mehr Aufklärung für Landwirte und eine EU-weit abgestimmte Impfstrategie. Viele Fachleute sehen in der Stallpflicht eine kurzfristig notwendige, aber keine dauerhafte Lösung. Nur durch strukturelle Veränderungen und wissenschaftliche Zusammenarbeit könne die Landwirtschaft künftige Epidemien besser bewältigen.
