Konservierungsstoffe in Lebensmitteln stehen nach einer neuen französischen Langzeitstudie stärker denn je im Fokus der Forschung. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass bestimmte Zusatzstoffe in industriell hergestellten Produkten mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen könnten, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit morgenpost.de.
Besonders bemerkenswert: Betroffen sind nicht nur klassische chemische Stoffe, sondern auch Zusatzstoffe, die viele Verbraucher bisher als harmlos oder sogar gesund eingeschätzt haben. Dazu gehören beispielsweise Zitronensäure oder Ascorbinsäure, besser bekannt als Vitamin C.
Die Ergebnisse sorgen derzeit international für Diskussionen. Millionen Menschen konsumieren täglich Fertigprodukte, verarbeitete Snacks oder konservierte Lebensmittel, ohne sich Gedanken über die enthaltenen Zusatzstoffe zu machen. Genau hier setzen die französischen Forscher an. Sie untersuchten über viele Jahre hinweg detailliert, welche Zusatzstoffe Menschen tatsächlich über ihre Ernährung aufnehmen.
Die Studie bringt ein Thema zurück in den Mittelpunkt, das lange unterschätzt wurde.
Nicht nur Zucker, Salz oder Fett geraten zunehmend unter Beobachtung.
Auch der Verarbeitungsgrad und Zusatzstoffe in Lebensmitteln beschäftigen Forscher immer stärker.

Französische Langzeitstudie analysiert über 112.000 Menschen
Die aktuelle Untersuchung basiert auf Daten der bekannten französischen Gesundheitsstudie NutriNet-Santé. Mehr als 112.000 Teilnehmer dokumentierten dort seit 2009 regelmäßig ihre Ernährung. Dabei wurden nicht nur allgemeine Lebensmittel erfasst, sondern auch konkrete Marken und Produkte. Dadurch konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, welche Zusatzstoffe langfristig konsumiert wurden.
Im Mittelpunkt standen insgesamt 58 verschiedene Konservierungsstoffe, die häufig in industriell hergestellten Lebensmitteln eingesetzt werden. Besonders intensiv analysierten die Forscher jene 17 Stoffe, die von mindestens zehn Prozent der Teilnehmer regelmäßig aufgenommen wurden.
Ein Ernährungsexperte erklärte dazu:
„Die Studie ist außergewöhnlich umfangreich, weil sie nicht nur einzelne Produkte untersucht, sondern reale Ernährungsgewohnheiten über viele Jahre.“
Die Ergebnisse sorgten selbst unter Fachleuten für Aufmerksamkeit. Menschen mit hoher Aufnahme sogenannter nicht-antioxidativer Konservierungsstoffe hatten laut Studie ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Zusätzlich stieg das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall um 16 Prozent.
Auch antioxidative Konservierungsstoffe fielen auf. Sie standen mit einem um 22 Prozent höheren Risiko für Bluthochdruck in Verbindung.
Welche Zusatzstoffe besonders kritisch gesehen werden
Besonders häufig untersucht wurden Stoffe, die das Wachstum von Bakterien, Hefen oder Schimmel verhindern sollen. Solche Zusatzstoffe kommen in zahlreichen Alltagsprodukten vor und gelten für Hersteller als wichtig, um Haltbarkeit und Aussehen von Lebensmitteln zu verbessern.
Zu den auffälligen Stoffen gehören unter anderem:
- Kaliumsorbat;
- Kaliummetabisulfit;
- Natriumnitrit;
- Zitronensäure;
- Ascorbinsäure;
- Natriumascorbat;
- Rosmarinextrakte.
Viele dieser Stoffe gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als harmlos. Vor allem antioxidative Zusatzstoffe werden oft sogar mit Vitaminen oder natürlichen Inhaltsstoffen verbunden. Genau hier sehen Forscher jedoch ein Problem. Die Studienleiterin Mathilde Touvier betonte, dass industriell zugesetzte Varianten nicht automatisch dieselbe Wirkung hätten wie natürliche Stoffe in Obst oder Gemüse.
„Ascorbinsäure in Früchten wirkt möglicherweise anders als industriell zugesetzte Ascorbinsäure“, erklärte die Studienleiterin.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Obst oder Gemüse problematisch seien. Die Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Ergebnisse nur auf zugesetzte Stoffe in verarbeiteten Lebensmitteln beziehen.
In diesen Produkten stecken besonders viele Konservierungsstoffe
Die Studie zeigt, wie stark Zusatzstoffe inzwischen im Alltag verbreitet sind. Viele Verbraucher verbinden Konservierungsstoffe vor allem mit Junkfood. Tatsächlich finden sie sich jedoch auch in zahlreichen Produkten, die täglich konsumiert werden.
Besonders häufig kommen Konservierungsstoffe in folgenden Lebensmitteln vor:
| Produktgruppe | Typische Zusatzstoffe |
|---|---|
| Wurstwaren | Natriumnitrit |
| Backwaren | Kaliumsorbat |
| Fertigsoßen | Sorbate und Säureregulatoren |
| Fruchtsäfte | Sulfite und Konservierungsmittel |
| Käseprodukte | Konservierungsstoffe gegen Schimmel |
| Wein und Bier | Kaliummetabisulfit |
| Fertiggerichte | verschiedene Zusatzstoffe |
Vor allem verarbeitete Fleischprodukte gelten seit Jahren als problematisch. Nitrite in Bacon, Schinken oder Aufschnitt stehen bereits länger im Verdacht, gesundheitliche Risiken zu erhöhen. Die neue Untersuchung verstärkt diese Diskussion zusätzlich.
Ein Kardiologe kommentierte die Ergebnisse so:
„Die Hinweise verdichten sich, dass nicht nur einzelne Nährstoffe problematisch sein könnten, sondern die industrielle Verarbeitung insgesamt.“
Interessant ist dabei, dass laut Studie nur etwa 35 Prozent der aufgenommenen Konservierungsstoffe aus klassischen ultraverarbeiteten Junkfood-Produkten stammen. Zusatzstoffe finden sich inzwischen praktisch überall.
Warum selbst „natürliche“ Zusatzstoffe kritisch gesehen werden
Besonders überraschend für viele Verbraucher ist die Diskussion um sogenannte natürliche Zusatzstoffe. Zitronensäure oder Vitamin C gelten normalerweise als positiv. In industriell hergestellten Lebensmitteln erfüllen sie jedoch andere Funktionen als in natürlichen Lebensmitteln.
Antioxidative Konservierungsstoffe verhindern beispielsweise, dass Obst braun wird oder Fette ranzig schmecken. Genau deshalb werden sie von Herstellern häufig eingesetzt. Die französischen Forscher betonen jedoch, dass natürlich vorkommende Stoffe nicht automatisch mit industriellen Zusätzen gleichgesetzt werden können.

Viele Verbraucher orientieren sich stark an Begriffen wie „natürlich“ oder „mit Vitamin C“.
Doch genau diese Wahrnehmung kann laut Experten täuschen.
Entscheidend bleibt nicht nur der Inhaltsstoff selbst, sondern auch die industrielle Verarbeitung.
Die Diskussion erinnert viele Experten an frühere Debatten über Zucker oder künstliche Süßstoffe. Auch dort zeigte sich erst nach Jahren intensiver Forschung, welche langfristigen Folgen bestimmte Ernährungsgewohnheiten haben können.
Zusammenhang mit Herzkrankheiten und Diabetes
Die aktuelle Untersuchung reiht sich in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten zu ultraverarbeiteten Lebensmitteln ein. Frühere Studien brachten solche Produkte bereits mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung.
Besonders alarmierend sind die Zahlen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. Experten kommen dort zu dem Ergebnis, dass Menschen mit hohem Konsum ultraverarbeiteter Produkte ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten besitzen. Auch Vorhofflimmern und tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten häufiger auf.
Zusätzlich hatten die französischen Forscher bereits früher Hinweise gefunden, dass bestimmte Zusatzstoffe möglicherweise auch das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen könnten. Einige Stoffe standen laut den Daten mit einem bis zu 49 Prozent höheren Diabetesrisiko in Verbindung.
Die wichtigsten möglichen Gesundheitsrisiken laut Studienlage:
- Bluthochdruck;
- Herzinfarkt;
- Schlaganfall;
- Diabetes Typ 2;
- Übergewicht;
- Herzrhythmusstörungen;
- erhöhte Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Viele Experten fordern deshalb inzwischen strengere Untersuchungen einzelner Zusatzstoffe und mehr Transparenz bei Lebensmitteln.
Experten fordern stärkeren Fokus auf Verarbeitungsgrad
Ein wichtiger Punkt der aktuellen Diskussion betrifft den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln. Lange konzentrierten sich Ernährungsempfehlungen vor allem auf Zucker-, Salz- oder Fettgehalt. Inzwischen rückt jedoch stärker in den Fokus, wie stark ein Produkt industriell verarbeitet wurde.
Die Studienautorin Anaïs Hasenböhler erklärte, dass es kein einzelnes Lebensmittel gebe, das Verbraucher einfach komplett meiden könnten. Vielmehr gehe es darum, insgesamt häufiger frische und möglichst wenig verarbeitete Produkte zu wählen.
Besonders empfohlen werden:
- frische Lebensmittel;
- selbst gekochte Mahlzeiten;
- tiefgekühlte Produkte ohne viele Zusatzstoffe;
- kurze Zutatenlisten;
- weniger stark verarbeitete Fertigprodukte.
Ein Verbraucher berichtete dazu:
„Viele Menschen achten inzwischen auf Kalorien, aber kaum jemand schaut auf Konservierungsstoffe oder Verarbeitung.“
Gerade tiefgekühlte Lebensmittel schneiden laut Experten teilweise besser ab als stark konservierte Fertiggerichte. Der Grund: Sie werden oft durch Kälte haltbar gemacht und benötigen dadurch weniger Zusatzstoffe.
Forscher sehen weiteren Untersuchungsbedarf
Trotz der auffälligen Ergebnisse betonen die Wissenschaftler auch die Grenzen ihrer Untersuchung. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Dadurch lassen sich statistische Zusammenhänge erkennen, jedoch keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung eindeutig beweisen.
Unabhängige Experten halten die Ergebnisse dennoch für bedeutsam. Die große Teilnehmerzahl, die lange Beobachtungsdauer und die detaillierte Datenerfassung gelten als besondere Stärke der Studie.
Die Diskussion über Zusatzstoffe in Lebensmitteln dürfte deshalb in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Immer mehr Forscher beschäftigen sich mit der Frage, welche Rolle industrielle Verarbeitung und Konservierungsstoffe langfristig für die Gesundheit spielen. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Zutatenlisten und Verarbeitungsgrad von Produkten könnten künftig eine noch größere Rolle bei bewusster Ernährung spielen als bisher.
