Hamburg wird sich nicht um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben bei der Abstimmung mehrheitlich gegen die Pläne gestimmt und damit ein politisches Projekt gestoppt, das von Senat, Sportverbänden, Wirtschaft und Teilen der Kulturszene unterstützt worden war, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit spiegel.de.
Für Bürgermeister Peter Tschentscher und den rot-grünen Senat ist das Ergebnis ein schwerer Rückschlag, denn die Stadt scheidet damit aus dem nationalen Bewerbungsprozess aus, bevor dieser richtig Fahrt aufnehmen konnte.
Das Olympia-Referendum Hamburg erinnert stark an das Jahr 2015. Schon damals hatten die Hamburgerinnen und Hamburger eine Bewerbung für die Spiele 2024 abgelehnt. Elf Jahre später wiederholt sich das Muster: Die Befürworter setzten auf große Bilder, prominente Unterstützung und die Hoffnung auf ein neues Kapitel für die Sportstadt Hamburg. Am Ende überwogen bei vielen Wählerinnen und Wählern jedoch Zweifel an Kosten, Bauprojekten, Verkehr, Mieten und Umweltbelastungen.
Hamburg sagt erneut Nein zu Olympia
Nach Angaben des Landeswahlleiters Oliver Rudolf waren 652.193 Stimmen abgegeben worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 Prozent. Rund 1,3 Millionen Menschen ab 16 Jahren durften an der Abstimmung teilnehmen. Bereits vor dem endgültigen Abschluss der Auszählung stand fest, dass die Mehrheit gegen die geplante Bewerbung votiert hatte.

Damit ist klar: Hamburg wird nicht in den Wettbewerb mit München, der Rhein-Ruhr-Region und Berlin eintreten. Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet am 26. September, mit welcher deutschen Bewerbung er in das internationale Verfahren gehen will. Für Hamburg ist diese Tür nun geschlossen.
Das Votum ist nicht nur eine Entscheidung gegen ein Sportereignis. Es ist auch ein Signal gegen ein Großprojekt, dessen Nutzen viele Menschen in der Stadt offenbar nicht überzeugend genug fanden.
Die Abstimmung zeigt, dass Olympia in Hamburg weiterhin stark polarisiert. Während Befürworter von Chancen für Sport, Stadtentwicklung und internationale Sichtbarkeit sprachen, sahen Gegner vor allem finanzielle Risiken und mögliche Belastungen für die Bevölkerung. Genau diese Skepsis hat sich nun an der Wahlurne durchgesetzt.
Ein Déjà-vu für den Senat
Für den rot-grünen Senat ist das Ergebnis besonders bitter. Bürgermeister Peter Tschentscher hatte sich persönlich stark für die Bewerbung eingesetzt. Seit März war er in der Stadt unterwegs, um für Olympia an Alster und Elbe zu werben. Seine Rolle war auffällig, sichtbar und politisch eindeutig: Tschentscher wollte Hamburg als möglichen Gastgeber für künftige Spiele positionieren.
Doch wie schon 2015 reichte die politische Unterstützung nicht aus. Damals hatten 51,6 Prozent gegen eine Bewerbung für Olympia 2024 gestimmt, während 48,4 Prozent dafür waren. Die Beteiligung lag damals mit 50,2 Prozent sogar etwas höher als diesmal. Auch jetzt blieb am Ende ein klares Nein der Bevölkerung.
„Hamburg hat nicht gegen den Sport gestimmt, sondern gegen ein Risiko, das viele Menschen nicht tragen wollten“, sagt ein politischer Beobachter aus der Stadt.
Für den Senat ist das Ergebnis auch deshalb unangenehm, weil das Pro-Lager breit aufgestellt war. Neben der Politik machten sich Sportorganisationen, Wirtschaftsvertreter und Kulturschaffende für die Bewerbung stark. In den Wochen vor der Abstimmung war die Olympia-Werbung im Stadtbild deutlich sichtbar. Plakate mit Prominenten sollten Zustimmung erzeugen und die Idee emotional aufladen.
Warum viele Hamburger skeptisch blieben
Die Gegner der Bewerbung führten ähnliche Argumente an wie schon vor elf Jahren. Sie warnten vor unkalkulierbaren Kosten, neuen Verkehrsproblemen, zusätzlichen Baustellen und Belastungen für Umwelt und Stadtentwicklung. Auch steigende Mieten wurden als Risiko genannt. Für viele Menschen war offenbar nicht überzeugend genug, dass Olympia langfristig Vorteile für den Breitensport oder die Stadtgesellschaft bringen würde.
Die Initiative NOlympia, Umweltschutzverbände sowie politische Kräfte wie Die Linke und die AfD stellten sich gegen die Bewerbung. Ihre Botschaft fand am Ende mehr Zustimmung als die Vision des Senats. Besonders in einer Stadt mit ohnehin angespanntem Wohnungsmarkt wirken milliardenschwere Großprojekte für viele Bürgerinnen und Bürger sensibel. Die Frage lautete nicht nur, ob Olympia schön wäre, sondern wer am Ende dafür zahlt und wer wirklich profitiert.
Wichtige Gründe für die Ablehnung waren:
- Sorge vor hohen und schwer kalkulierbaren Kosten
- Angst vor zusätzlichem Druck auf den Wohnungsmarkt
- Kritik an möglichen Umweltbelastungen durch Bau und Verkehr
- Zweifel an einem echten Nutzen für den Breitensport
- Misstrauen gegenüber großen städtischen Prestigeprojekten
- Erinnerung an frühere Debatten rund um Olympia in Hamburg
Die Entscheidung zeigt, dass große Sportereignisse in Deutschland nicht mehr automatisch Begeisterung auslösen. Viele Bürger wollen konkrete Antworten, belastbare Finanzpläne und nachvollziehbare Garantien. Reine Begeisterungsrhetorik reicht bei solchen Projekten offenbar nicht mehr aus.
München und Rhein-Ruhr bleiben im Rennen
Während Hamburg aus dem Verfahren ausscheidet, sieht die Lage in anderen Regionen anders aus. In München und der Rhein-Ruhr-Region hatten sich jeweils etwa 66 Prozent der Abstimmenden für eine Bewerbung ausgesprochen. Damit gehen diese beiden Kandidaten mit einem positiven Bürgervotum in den weiteren Prozess.
Berlin nimmt ebenfalls weiter teil, verzichtet aber aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum. Stattdessen hat das Abgeordnetenhaus am 21. Mai mehrheitlich beschlossen, sich um Olympia zu bewerben. Dadurch bleiben nach dem Hamburger Nein noch drei mögliche deutsche Kandidaten übrig: München, Rhein-Ruhr und Berlin.
| Stadt/Region | Stand der Bewerbung | Bürgerbeteiligung | Bedeutung nach Hamburgs Nein |
|---|---|---|---|
| Hamburg | Ausgeschieden | Mehrheit gegen Bewerbung | Keine Teilnahme am nationalen Wettbewerb |
| München | Weiter im Rennen | Rund zwei Drittel Zustimmung | Starkes Signal durch positives Votum |
| Rhein-Ruhr | Weiter im Rennen | Rund zwei Drittel Zustimmung | Region bleibt wichtiger Kandidat |
| Berlin | Weiter im Rennen | Kein Referendum | Parlamentarische Entscheidung für Bewerbung |
| Kiel | Zustimmung als Segelstandort | 63,5 Prozent dafür | Muss nun auf andere Bewerber hoffen |
Der DOSB bewertet die Kandidaten nach einer Matrix, in der auch Bürgerbefragungen eine Rolle spielen. Der Vorstandsvorsitzende Otto Fricke hatte zuletzt ausdrücklich gehofft, dass Hamburg ein positives Signal senden würde. Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt.
Was das Nein für Kiel bedeutet
Besonders interessant ist die Lage für Kiel. Die Stadt hatte am 19. April per Bürgerentscheid mit 63,5 Prozent dafür gestimmt, sich als Segelstandort für künftige Olympische Spiele in Deutschland zu empfehlen. Kiel war als Partner Hamburgs vorgesehen. Durch das Aus der Hansestadt muss Kiel nun hoffen, bei einem anderen deutschen Bewerber eine Rolle spielen zu können.

Für die Stadt ist das keine einfache Situation. Das eigene positive Votum bleibt zwar politisch wertvoll, doch ohne Hamburg fehlt der direkte Bewerbungspartner. Ob München, Rhein-Ruhr oder Berlin Kiel als Segelstandort einbinden könnten, ist nun eine strategische Frage für den weiteren Bewerbungsprozess.
„Kiel hat geliefert, Hamburg nicht. Für den Segelstandort bedeutet das keine automatische Absage, aber eine deutlich kompliziertere Ausgangslage“, meint ein Sportfunktionär.
Die Entwicklung zeigt, wie eng regionale Entscheidungen bei Olympia-Bewerbungen miteinander verbunden sind. Ein positives Votum in einer Stadt kann durch ein Nein in einer anderen Stadt stark an Gewicht verlieren. Gerade bei komplexen Bewerbungen mit mehreren Standorten ist politische Abstimmung deshalb entscheidend.
Das Pro-Lager konnte die Zweifel nicht entkräften
Die Befürworter hatten versucht, Olympia als Chance für Hamburg darzustellen. Die Spiele sollten internationale Aufmerksamkeit bringen, den Sport fördern und Infrastrukturprojekte beschleunigen. Dazu kam das Argument, dass eine moderne Bewerbung nachhaltiger, kompakter und stärker an vorhandenen Strukturen orientiert sein könne als frühere Olympia-Konzepte.
Doch offenbar fehlte vielen Menschen das Vertrauen, dass diese Versprechen im Alltag spürbar werden. Die Erinnerung an Kostensteigerungen bei großen Projekten, an Baustellen und an politische Fehleinschätzungen sitzt in vielen deutschen Städten tief. In Hamburg kam hinzu, dass die Ablehnung von 2015 nie ganz verschwunden war. Das neue Referendum wirkte deshalb auch wie eine zweite Prüfung derselben Grundfrage: Will Hamburg Olympia wirklich?
Viele Hamburger haben nicht nur über Sport abgestimmt. Sie haben über Stadtentwicklung, Prioritäten und Vertrauen in politische Großprojekte entschieden.
Das Ergebnis legt nahe, dass die Befürworter zwar sichtbar waren, aber nicht ausreichend überzeugen konnten. Prominente Plakate, Kampagnen und politische Auftritte änderten nichts daran, dass die Mehrheit skeptisch blieb. Für Bürgermeister Tschentscher ist das persönlich und politisch ein spürbarer Rückschlag.
Die wichtigsten Zahlen zur Abstimmung
Die vorliegenden Zahlen machen deutlich, dass das Referendum nicht von einer kleinen Gruppe entschieden wurde. Fast die Hälfte der Stimmberechtigten beteiligte sich. Das gibt dem Ergebnis politisches Gewicht, auch wenn die Beteiligung minimal unter dem Wert von 2015 lag.
Besonders relevant ist der Vergleich mit der früheren Abstimmung. Damals war das Nein knapp, aber eindeutig. Auch diesmal setzte sich die Ablehnung durch, obwohl das Pro-Lager mit einem breiten Bündnis antrat. Für Hamburg entsteht dadurch eine klare Linie: Die Stadt bleibt gegenüber Olympischen Spielen im eigenen Stadtgebiet skeptisch.
Die Abstimmung ist damit mehr als eine Momentaufnahme. Sie dürfte künftige Diskussionen über große Sportevents in Hamburg prägen. Politische Akteure werden sich künftig schwerer tun, ähnliche Projekte ohne sehr frühe und glaubwürdige Einbindung der Bevölkerung voranzutreiben.
Was jetzt für den DOSB folgt
Nach dem Hamburger Nein muss der DOSB seine Auswahl ohne die Hansestadt treffen. Übrig bleiben München, Rhein-Ruhr und Berlin. Jede dieser Optionen hat eigene Stärken und Herausforderungen. München verfügt über olympische Geschichte und Sportinfrastruktur. Die Rhein-Ruhr-Region kann mit vielen Städten, Stadien und einer großen Bevölkerungsbasis argumentieren. Berlin bringt Hauptstadtstatus und internationale Sichtbarkeit ein.
Für den DOSB wird entscheidend sein, welche Bewerbung international am überzeugendsten wirkt und zugleich national tragfähig ist. Bürgerzustimmung spielt dabei eine wichtige Rolle, aber sie ist nicht der einzige Faktor. Infrastruktur, Kosten, Nachhaltigkeit, politische Unterstützung, Sportstätten und internationale Vermittelbarkeit werden ebenfalls bewertet.
Hamburg hätte in diesem Wettbewerb eine besondere Rolle spielen können. Die Lage an Elbe und Alster, die Verbindung mit Kiel und die internationale Ausstrahlung der Stadt wären starke Argumente gewesen. Doch ohne Zustimmung der Bevölkerung ist eine Bewerbung politisch nicht tragfähig.
Hamburgs Olympia-Nein als Signal
Das Ergebnis des Referendums zeigt, dass die Menschen in Hamburg bei Großprojekten genau hinsehen. Olympia begeistert viele Sportfans, doch Begeisterung allein reicht nicht, wenn die Folgen für Stadt, Umwelt und Finanzen unklar bleiben. Die Mehrheit wollte offenbar keine Bewerbung, bei der Nutzen und Risiken aus ihrer Sicht nicht im richtigen Verhältnis standen.
Für die deutsche Olympia-Debatte ist das ein wichtiges Signal. Städte können internationale Großereignisse nicht mehr einfach von oben planen und später Zustimmung erwarten. Bürger wollen früh wissen, was gebaut wird, wie teuer es wird, wer profitiert und welche Belastungen entstehen. Wer darauf keine überzeugenden Antworten gibt, verliert Vertrauen.
Hamburg ist damit raus aus dem Rennen, aber die Debatte über Olympia in Deutschland geht weiter. München, Rhein-Ruhr und Berlin bleiben im Verfahren, während Kiel auf eine neue Rolle hoffen muss. Für die Hansestadt endet das Kapitel vorerst mit einer klaren Botschaft der Bevölkerung: Olympia ja vielleicht anderswo, aber nicht in Hamburg.
