Während Gold und Silber in den vergangenen Monaten deutlich zulegen konnten, zeigt sich beim Bitcoin-Kurs ein ganz anderes Bild. Seit seinem Hoch im Oktober 2025 hat Bitcoin zwischenzeitlich mehr als 50 Prozent eingebüßt und sorgt damit erneut für Nervosität am Markt, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit focus.de.
Viele Anleger fragen sich jetzt, ob das nur eine weitere typische Korrektur ist oder ob diesmal tatsächlich „mehr dahintersteckt“. Parallel dazu wird die Diskussion lauter, ob das Label digitales Gold dem Verhalten von Bitcoin aktuell überhaupt gerecht wird. Und im Hintergrund steht eine zweite große Sorge: Wird ausgerechnet der Großhalter Strategy (ehemals MicroStrategy) zum Problemfall, wenn die Kurse weiter sinken?
Gold gegen Bitcoin: Warum die Entwicklung gerade auseinanderläuft
Der Vergleich zwischen Gold und Bitcoin klingt auf dem Papier oft logisch, doch die Realität ist derzeit widersprüchlich. Edelmetalle haben zugelegt, Bitcoin dagegen ist deutlich zurückgekommen, obwohl er häufig als Absicherung gegen Krisen erzählt wird. In der aktuellen Phase wirkt Bitcoin für viele Marktteilnehmer weniger wie Schutz, sondern eher wie ein risikoreiches Asset, das zusammen mit anderen „Risk-on“-Positionen verkauft wird.

Genau das erklärt, warum der Kursrutsch nicht automatisch ein Signal für einen strukturellen Niedergang sein muss, sondern auch ein Ausdruck von Marktmechanik sein kann. Entscheidend ist also nicht nur die Erzählung vom digitalen Geld, sondern das Verhalten großer Akteure im Stressmodus.
„Der Markt behandelt Bitcoin derzeit wie eine Tech-Wette – das kann kurzfristig Druck machen, sagt aber wenig über die Grundidee von Bitcoin aus.“
Bärenmarkt ist nicht neu: Einordnung im historischen Vergleich
Ein Blick in frühere Zyklen zeigt, dass starke Einbrüche bei Bitcoin nicht ungewöhnlich sind. Im Bärenmarkt 2018 verlor Bitcoin zeitweise mehr als 82 Prozent, im Bärenmarkt 2022 waren es über 77 Prozent. Der aktuelle Rückgang von über 50 Prozent wirkt im historischen Maßstab daher sogar „vergleichsweise moderat“, auch wenn er sich für viele Anleger brutal anfühlt. Auffällig ist dabei ein Trend: Von Zyklus zu Zyklus scheint der prozentuale Absturz bislang schwächer auszufallen. Als besonders heftig gilt vielen Marktbeobachtern die Phase 2022 rund um den Kollaps der Kryptobörse FTX, die das Vertrauen zusätzlich belastete.
Der Rückgang ist schmerzhaft, aber er ist nicht beispiellos. Bitcoin war in früheren Bärenmärkten deutlich tiefer im Minus. Genau deshalb ist die entscheidende Frage eher „wie lange“, nicht nur „wie viel“.
Neue Macht im Markt: Bitcoin-ETFs und institutionelle Investoren
Ein zentraler Unterschied zur Vergangenheit: Bitcoin wird längst nicht mehr nur von Privatanlegern geprägt. Durch Bitcoin-ETFs haben institutionelle Investoren einen deutlich einfacheren und regulierten Zugang bekommen, was die Marktstruktur verändert. Das sorgt einerseits für mehr Kapital, andererseits aber auch dafür, dass Bitcoin in Krisenphasen in denselben Verkaufssog geraten kann wie andere liquide Anlagen. Für Fonds gilt oft: Wenn schnell Geld gebraucht wird, verkauft man zuerst das, was rund um die Uhr handelbar und leicht zu liquidieren ist.
Genau hier spielt Bitcoin seine Liquidität aus – nur eben manchmal gegen sich selbst. Das erklärt auch, warum Bitcoin zeitweise ähnlich reagieren kann wie ein Korb großer Software-Aktien, obwohl die Geschäftslogik eigentlich nicht vergleichbar ist.
„Wenn Stimmung kippt, wird oft pauschal Risiko reduziert – unabhängig davon, ob Assets inhaltlich zusammengehören.“
Strategy und Michael Saylor: Wie groß ist das Klumpenrisiko wirklich?
Im Mittelpunkt der Diskussion steht Michael Saylor und sein Unternehmen Strategy (ehemals MicroStrategy). Strategy hält laut den vorliegenden Angaben 717.722 Bitcoin in der Bilanz – das entspricht rund 3,4 Prozent aller Bitcoin, die jemals im Umlauf sein werden. Ein Teil der Käufe wurde über Schulden finanziert, weshalb sich in sozialen Netzwerken regelmäßig Crash-Szenarien verbreiten. Die Kernfrage lautet dabei: Muss Strategy bei fallenden Kursen irgendwann Bitcoin verkaufen – und löst das dann einen Dominoeffekt aus? Genau an dieser Stelle kursieren mehrere Mythen, die einer nüchternen Prüfung nicht standhalten sollen.
| Thema | Was häufig behauptet wird | Was laut Einordnung entscheidend ist |
|---|---|---|
| 76.000 US-Dollar | Unter dem durchschnittlichen Kaufpreis müsse Strategy Bitcoin verkaufen | Maßgeblich sind Fälligkeiten, Schuldenstruktur und ob Vermögen Verbindlichkeiten übersteigt |
| Kritische Kurszone | Schon der nächste starke Rutsch mache Strategy zahlungsunfähig | Problematisch wird es erst bei einem extremen, langanhaltenden Szenario |
| Sicherheitsmechanismus | Es gebe eine automatische Verkaufspflicht bei fallenden Kursen | Die Bitcoin seien laut Darstellung nicht mehr direkt als Kreditsicherheit verpfändet |
Warum ein Kurs von 8.000 Dollar als „kritisch“ genannt wird
In der Einordnung wird ein Bitcoin-Kurs von etwa 8.000 US-Dollar als rechnerische Schwelle genannt, ab der die Bilanz ernsthaft unter Druck geraten könnte. Hintergrund: Bei 8.000 Dollar wären die gehaltenen 717.722 Bitcoin grob in einer Größenordnung, die mit den Nettoschulden vergleichbar beschrieben wird.

Wichtig ist aber die Zusatzbedingung: Selbst dieses Szenario wäre laut Darstellung erst dann wirklich brisant, wenn der Kurs bis 2032 auf diesem niedrigen Niveau verharren würde. Das würde bedeuten, dass Bitcoin vom heutigen Niveau aus nochmals um rund 90 Prozent fallen und über Jahre schwach bleiben müsste. Als möglich, aber extrem unwahrscheinlich wird es in dieser Argumentation eingeordnet.
„Ein kurzfristiger Kursrutsch bringt Strategy nicht zu Fall – gefährlich wird es nur bei einem extremen und langanhaltenden Einbruch.“
Wandelanleihen, Umwandlungspreis und die echte Stressprobe
Für die Zahlungsfähigkeit sei weniger der aktuelle Bitcoin-Preis entscheidend als die Struktur der Schulden. Im Fokus stehen dabei vor allem Wandelanleihen: Investoren erhalten Zinsen und können später in Aktien umwandeln – allerdings nur, wenn der Aktienkurs über einem festgelegten Conversion Price liegt. Derzeit seien die Wandelanleihen unter dem Umwandlungspreis, was eine Umwandlung unattraktiv mache. Sollte sich die Aktie bis zu den jeweiligen Fälligkeiten nicht erholen, müsste Strategy Geld tatsächlich zurückzahlen. Dafür wären laut Darstellung Optionen wie Barreserven, Aktienausgabe oder andere Finanzierungswege denkbar, was Zeit verschafft – vorausgesetzt, mehrere negative Faktoren treten nicht gleichzeitig ein.
Dividenden und Vorzugsaktien: Der nächste Mythos
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Vorzugsaktien und die damit verbundenen Dividenden. Strategy habe über verschiedene Vorzugsaktien rund 8,45 Milliarden US-Dollar eingesammelt, mit jährlichen Dividenden von knapp 900 Millionen US-Dollar. Das klingt nach Belastung, doch der entscheidende Satz in der Einordnung lautet: Dividenden könnten – falls nötig – ausgesetzt werden, ohne dass daraus automatisch eine Insolvenz entstünde. Zusätzlich habe das Unternehmen eine Cash-Reserve von 2,25 Milliarden US-Dollar aufgebaut, die Dividendenverpflichtungen für rund 30 Monate abdecken soll. Damit wird die Sorge, Dividenden würden „sofort“ zum Problem, in dieser Darstellung deutlich relativiert.
„Anders als Zinsen bei klassischen Schulden führen ausgesetzte Dividenden nicht automatisch zur Zahlungsunfähigkeit.“
Warum Bitcoin seit Oktober 2025 so stark nachgab
Für den starken Rückgang werden mehrere Faktoren genannt. Erstens ein psychologischer „Kassensturz“-Moment rund um die Marke von 100.000 US-Dollar, bei dem Langzeitinvestoren Gewinne realisierten. Zweitens der 10. Oktober 2025, an dem eine massive Liquidierungswelle bei stark gehebelten Marktteilnehmern zu Zwangsschließungen und einer Kettenreaktion geführt habe, die den Abwärtsdruck verstärkte. Drittens die – aus Sicht des Autors – falsche Schublade, in die Bitcoin gesteckt werde: Der Markt behandle ihn zeitweise wie eine Software-Aktie, obwohl Bitcoin kein Unternehmen mit Vorstand, Umsätzen und Konkurrenzprodukten sei. Bitcoin sei vielmehr digitales Geld mit einer festen Obergrenze von 21 Millionen Einheiten, was strukturell etwas anderes bedeutet.
Was Anleger jetzt konkret beobachten sollten
Wer wissen will, „was mit dem Kurs passiert“, braucht weniger Bauchgefühl und mehr Orientierungspunkte. In der Argumentation spielen dabei vor allem neue Marktteilnehmer und Zykluslogik eine Rolle: Der mögliche Peak im Herbst 2025 passe zur Vierjahreslogik, ein Bärenjahr 2026 ebenso. Gleichzeitig könnte der Bärenmarkt durch die zunehmende Rolle institutioneller Investoren weniger heftig ausfallen als früher, so die Einschätzung. Für die nächsten Wochen und Monate werden daher vor allem diese Punkte als relevant beschrieben:
- Marktreaktionen auf Liquidierungen und die Stabilität gehebelter Positionen
- Entwicklung rund um Bitcoin-ETFs und das Verhalten großer Kapitalgeber
- Schuldenprofil, Fälligkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten von Strategy
- Ob Bitcoin weiter wie ein Tech-Asset gehandelt wird oder wieder stärker als eigenes Asset wahrgenommen wird
Ein Marktbeobachter fasst es so zusammen:
„Die Frage ist nicht, ob Bitcoin volatil ist – sondern welche Hände gerade den Preis bestimmen.“
Politischer Rückenwind und das „Nicht-tot“-Narrativ
Zum Schluss wird die Lage ausdrücklich nicht als Abgesang bewertet, sondern als Phase, in der sich das Asset erneut sortiert. Genannt werden dabei ein politisch bitcoinfreundlicheres Umfeld in den USA unter der Trump-Administration, die Aussicht auf einen möglichen Zinssenkungszyklus und ein wachsendes Interesse von Banken und Institutionellen. All das könne – in dieser Sichtweise – das Umfeld für risikobehaftete Assets verbessern und die Marktstruktur langfristig stabilisieren.
Ob das „Schlimmste“ bereits hinter dem Markt liegt, bleibt offen, aber die Kernaussage lautet: Bitcoin ist nicht tot, und die aktuellen Bewegungen seien eher eine Mischung aus Zyklus, Marktstruktur und Liquiditätslogik. Für Anleger heißt das vor allem: aufmerksam bleiben, Szenarien prüfen und nicht jede Schlagzeile mit einem Endspiel verwechseln.
