Der Kommandant des Russischen Freiwilligenkorps, Denis Kapustin, ist nach Angaben der Gruppierung ums Leben gekommen. Demnach wurde er bei Kampfhandlungen in der ukrainischen Region Saporischschja durch einen Drohnenangriff getötet, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit n-tv.de.
Die Informationen stammen aus internen Mitteilungen des Korps, das Kapustin mitgegründet hatte. Offizielle Bestätigungen unabhängiger Stellen lagen zunächst nicht vor. Die Einheit kündigte nach seinem Tod Vergeltungsmaßnahmen an.
Kapustin war seit Jahren eine polarisierende Figur im Kontext des Ukraine-Krieges. Während ihn Anhänger als entschlossenen Gegner des Kremls darstellten, galt er Kritikern als rechtsextremer Ideologe. Sein Tod markiert einen weiteren Einschnitt im ohnehin schwer durchschaubaren Geflecht paramilitärischer Gruppen. Besonders im Informationskrieg hatte Kapustin eine zentrale Rolle eingenommen.
Bekanntheit durch Aktionen auf russischem Gebiet
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Kapustin im Jahr 2023. Damals drang das von ihm mitgegründete Russische Freiwilligenkorps von ukrainischem Gebiet aus in die russische Grenzregion Brjansk vor. Die Gruppe führte Sabotageaktionen durch und veröffentlichte anschließend Videomaterial. Diese Bilder sollten zeigen, dass bewaffnete Gegner des Kremls auch auf russischem Staatsgebiet operieren können.
Berichten zufolge kam es bei einem dieser Einsätze zu tödlichen Zwischenfällen. Kapustin trat öffentlich auf und rief die russische Bevölkerung zum Widerstand gegen Präsident Wladimir Putin auf. Militärisch wurde der Aktion jedoch nur eine begrenzte Bedeutung beigemessen. Experten werteten sie vor allem als symbolische Provokation mit hoher medialer Wirkung.
Größe und Bedeutung des Russischen Freiwilligenkorps
Wie schlagkräftig das Russische Freiwilligenkorps tatsächlich war, blieb stets unklar. Schätzungen aus dem Jahr 2023 gingen von wenigen Dutzend Kämpfern aus. Angaben zur Finanzierung deuteten auf Spenden und illegale Aktivitäten hin. Fachleute sahen die Gruppe weniger als ernstzunehmende militärische Einheit, sondern als propagandistisch ausgerichtetes Netzwerk.
Auch innerhalb der Ukraine nahm das Korps eine Sonderrolle ein. Die ukrainische Führung erkannte es nicht offiziell als regulären Kampfverband an. Dennoch kämpften einzelne Mitglieder nach eigenen Angaben an der Front gegen russische Truppen. Kapustin selbst stellte sich öffentlich als Teil des Widerstands gegen Moskau dar.

Rechtsextreme Vergangenheit von Denis Kapustin
Kapustin war nicht nur Kämpfer, sondern seit Jahren auch in rechtsextremen Kreisen bekannt. Der gebürtige Moskauer lebte lange Zeit in Deutschland und hielt sich unter anderem in Köln auf. Dort bewegte er sich in der Hooligan- und Neonaziszene und organisierte Kampfsportveranstaltungen. Zudem gründete er das international bekannte rechtsextreme Label „White Rex“.
In den 2010er-Jahren galt Kapustin als eine der einflussreichsten Figuren der europäischen Neonazi-Szene. Er pflegte Kontakte zu Gleichgesinnten in mehreren Ländern. Seine Ideologie zielte auf ein ethnisch homogenes Russland ab. Damit stand er sowohl im Widerspruch zum Kreml als auch zu demokratischen Oppositionsbewegungen.
Ausweisung, Verurteilung und offene Fragen
Nach Medienberichten lebte Kapustin spätestens ab 2018 in der Ukraine. Zuvor war er 2019 aus Deutschland ausgewiesen worden. Russische Gerichte verurteilten ihn 2023 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen terroristischer Aktivitäten. Seit den Aktionen in Brjansk verlor sich seine Spur zunehmend.
Was Kapustin in den Monaten vor seinem Tod genau tat, bleibt weitgehend offen. Sein Tod wirft neue Fragen zur Zukunft des Russischen Freiwilligenkorps auf. Unklar ist, ob die Gruppe ohne ihre zentrale Figur handlungsfähig bleibt. Sicher ist nur, dass Denis Kapustin eine der umstrittensten Gestalten im Schattenkrieg zwischen Russland und der Ukraine war.
