Sodbrennen zählt zu den häufigsten Beschwerden des Verdauungssystems in Deutschland. Schätzungen zufolge sind rund zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Typisch sind ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen oder Schmerzen beim Schlucken, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit t-online.de.
Ursache ist meist der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, medizinisch als gastroösophageale Refluxkrankheit bezeichnet. Lange galt diese Erkrankung vor allem als Problem des Magens und der Speiseröhre.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse stellen diese Sichtweise nun infrage. Forscher gehen davon aus, dass die Folgen von Reflux deutlich weiter reichen könnten als bisher angenommen. Besonders überraschend ist der mögliche Zusammenhang mit einer Erkrankung, die auf den ersten Blick nichts mit dem Magen zu tun hat. Gemeint ist Tinnitus, also das Wahrnehmen von Ohrgeräuschen ohne äußere Schallquelle.
Was bei der Refluxkrankheit im Körper geschieht
Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit gelangt Magensäure regelmäßig zurück in die Speiseröhre. Die Schleimhaut ist dafür nicht ausgelegt und reagiert empfindlich auf die aggressive Säure. Dadurch entstehen Entzündungen, Reizungen und langfristig auch strukturelle Veränderungen. Betroffene klagen häufig über anhaltende Beschwerden, die ihre Lebensqualität deutlich einschränken.

Auslöser können unter anderem bestimmte Lebensmittel, Übergewicht, Stress oder anatomische Besonderheiten sein. Auch nächtlicher Reflux spielt eine wichtige Rolle, da die Säure im Liegen leichter aufsteigen kann. Neben klassischen Symptomen wie Sodbrennen treten nicht selten Husten, Heiserkeit oder ein Kloßgefühl im Hals auf. Genau diese Nähe zum Rachenraum rückt nun auch andere Organe in den Fokus der Forschung.
Achtfach erhöhtes Risiko für Tinnitus laut Studie
Wissenschaftler der Kyung Hee University College of Korean Medicine haben einen möglichen Zusammenhang zwischen Refluxkrankheit und Tinnitus untersucht. Grundlage war eine groß angelegte Analyse von Gesundheitsdaten aus Südkorea. Dafür wurden Informationen von rund 700.000 Menschen ausgewertet, die in einer nationalen Versicherungsdatenbank erfasst sind. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht.
Die Forscher verglichen Personen mit diagnostizierter Refluxkrankheit mit Menschen ohne diese Diagnose. Dabei berücksichtigten sie zahlreiche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Begleiterkrankungen und Medikamenteneinnahme. Das Resultat fiel deutlich aus. Während in der Vergleichsgruppe ohne Reflux jährlich nur 1,7 von 1.000 Personen an Tinnitus erkrankten, lag dieser Wert bei Menschen mit Reflux bei 14,9 pro 1.000. Das entspricht einem mehr als achtfach erhöhten Risiko.
Wie Magensäure das Ohr beeinflussen könnte
Noch ist nicht abschließend geklärt, warum Sodbrennen das Risiko für Ohrgeräusche erhöht. Die Forscher vermuten jedoch einen plausiblen Mechanismus. Magensäure und andere Refluxbestandteile könnten über den Rachenraum in die sogenannte Eustachische Röhre gelangen. Diese Verbindung zwischen Nasenrachenraum und Mittelohr ist für den Druckausgleich im Ohr verantwortlich.
Gelangen reizende Substanzen in diesen sensiblen Bereich, können Entzündungen oder Funktionsstörungen entstehen. Diese könnten wiederum das Innenohr beeinträchtigen und Tinnitus begünstigen. Besonders bei chronischem Reflux wäre eine wiederholte Reizung denkbar. Weitere Studien sind notwendig, um diesen Mechanismus genauer zu verstehen und medizinisch zu bestätigen.
Warnsignale ernst nehmen und ärztlich abklären lassen
Die Studienautoren betonen, dass Betroffene aufmerksam auf ihre Symptome achten sollten. Anhaltendes Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Schluckbeschwerden sollten nicht als harmlos abgetan werden. Treten zusätzlich Ohrgeräusche, Druckgefühl im Ohr oder Hörveränderungen auf, ist eine medizinische Abklärung besonders wichtig. Frühzeitige Diagnose kann helfen, Folgeschäden zu vermeiden.
Auch chronischer Husten, morgendliche Heiserkeit oder ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl im Hals können Hinweise auf Reflux sein. Experten raten dazu, Beschwerden ganzheitlich zu betrachten und nicht nur auf den Magen zu reduzieren. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass Sodbrennen weitreichendere Auswirkungen haben kann als bisher angenommen. Damit erhält die Refluxkrankheit eine neue Bedeutung in der Prävention weiterer Erkrankungen.
