Der Online-Modehändler Zalando strukturiert nach der Übernahme seines Konkurrenten About You sein Logistiknetz neu. In diesem Zuge hat das Unternehmen angekündigt, den Standort Erfurt bis Ende September 2026 vollständig aufzugeben, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit n-tv.de.
Für die Region ist das ein bedeutender Einschnitt, denn das Verteilzentrum zählt zu den größten industriellen Arbeitgebern in Thüringen. Rund 2700 Beschäftigte sind von der Schließung betroffen. Zalando spricht von notwendigen Anpassungen infolge der Fusion und veränderter logistischer Anforderungen.
Die Entscheidung ist Teil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung. Ziel des Konzerns ist es, Doppelstrukturen zu vermeiden und die Effizienz im europaweiten Logistiknetz zu erhöhen. Nach Unternehmensangaben sollen künftig weniger, dafür leistungsstärkere Standorte betrieben werden. Gleichzeitig verweist Zalando auf langfristige wirtschaftliche Vorteile durch die Integration von About You. Für viele Beschäftigte in Erfurt bedeutet das jedoch große Unsicherheit.
Warum Zalando den Standort Erfurt aufgibt
Hintergrund der Schließung ist vor allem die Übernahme von About You im vergangenen Jahr. Durch die Fusion verfügen beide Unternehmen gemeinsam über eine größere Anzahl an Logistikzentren, als künftig benötigt wird. Zalando sieht sich daher gezwungen, Kapazitäten zu bündeln und Standorte aufzugeben. Das Logistikzentrum in Erfurt fällt dieser Konsolidierung zum Opfer. Es handelt sich dabei um den einzigen konzerneigenen Standort dieser Größenordnung in Ostdeutschland.
Nach Angaben des Unternehmens ist die Entscheidung nicht gegen den Standort selbst gerichtet. Vielmehr gehe es um eine effizientere Steuerung der Warenströme in Europa. Andere Logistikzentren in Deutschland, etwa in Gießen, Lahr und Mönchengladbach, sollen weiter betrieben werden. Insgesamt plant Zalando, sein Netzwerk auf 14 Logistikzentren in sieben Ländern zu konzentrieren. Diese Struktur soll langfristig wettbewerbsfähiger sein.
Auswirkungen auf die Beschäftigten vor Ort
Die Schließung trifft rund 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt. Für viele von ihnen ist Zalando seit Jahren ein sicherer Arbeitgeber gewesen. Das Logistikzentrum wurde 2012 eröffnet und hat sich seitdem zu einem zentralen Pfeiler der regionalen Wirtschaft entwickelt. Entsprechend groß sind die Sorgen um Arbeitsplatzverlust und berufliche Perspektiven. Besonders betroffen sind auch Zulieferer und Dienstleister in der Region.
Zalando hat angekündigt, mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan zu verhandeln. Ziel sei es, die Folgen für die Beschäftigten abzufedern. Dazu könnten Abfindungen, Qualifizierungsangebote oder Unterstützung bei der Jobsuche gehören. Konkrete Details wurden bislang nicht genannt. Die Gespräche sollen jedoch zeitnah beginnen, um Planungssicherheit zu schaffen.
Strategische Ziele nach der About-You-Übernahme
Mit der Übernahme von About You verfolgt Zalando ambitionierte Wachstumsziele. Der Konzern rechnet langfristig mit einem zusätzlichen operativen Gewinn von rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Bereits im dritten Quartal nach der Fusion sorgte About You für einen spürbaren Umsatzschub. Besonders das Geschäft mit Firmenkunden gilt als wichtiger Wachstumstreiber. Zalando stellt Drittunternehmen zunehmend seine Logistik- und IT-Infrastruktur zur Verfügung.
Ein zentrales Element dieser Strategie ist die Plattform „Zeos“. Über sie können externe Händler Logistikdienstleistungen von Zalando nutzen. Ergänzt wird das Angebot durch die Shop-Software „Scayle“, die ursprünglich von About You entwickelt wurde. Diese Kombination soll Zalando weniger abhängig vom reinen Online-Modehandel machen. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck, interne Strukturen zu verschlanken.
Bedeutung der Schließung für Region und Branche
Die Aufgabe des Standorts Erfurt hat nicht nur unternehmensinterne Auswirkungen. Auch für die Region Thüringen ist sie ein herber Rückschlag. Das Logistikzentrum galt lange als Symbol für erfolgreiche Ansiedlung großer Onlinehändler im Osten Deutschlands. Mit der Schließung verliert die Region einen wichtigen Arbeitgeber. Kommunalpolitiker und Wirtschaftsvertreter dürften nun nach Alternativen suchen müssen.
Für die Branche insgesamt zeigt der Schritt, wie stark sich der Onlinehandel verändert. Fusionen, Effizienzprogramme und Kostendruck prägen zunehmend das Bild. Selbst große Player wie Zalando sind gezwungen, Strukturen zu überprüfen. Die Schließung in Erfurt steht damit exemplarisch für einen tiefgreifenden Wandel im europäischen E-Commerce.
