Mehrere Lawinenabgänge haben am Wochenende in Österreich mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Die Unglücke ereigneten sich abseits gesicherter Pisten in alpinem Gelände. Trotz vergleichsweise moderater Schneehöhen entwickelte sich die Situation zu einer der tödlichsten der laufenden Saison. Behörden sprechen von einer hochgefährlichen Kombination aus Alt- und Neuschnee, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit n-tv.de.
Unter den Opfern befinden sich mehrere ausländische Skitourengeher, darunter drei Staatsbürger aus Tschechien. Die Identität weiterer Todesopfer war zunächst noch Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Einsatzkräfte warnen eindringlich davor, die aktuelle Lawinenlage zu unterschätzen.

Großarltal: Lawine reißt Skitourengruppe mit
Besonders schwer traf es eine Skitourengruppe im Großarltal im Bundesland Salzburg. Am Finsterkopf in rund 2150 Metern Höhe löste sich am Samstagnachmittag eine Lawine und erfasste sieben Personen. Vier von ihnen konnten von der Bergrettung nur noch tot geborgen werden. Weitere Gruppenmitglieder erlitten teils schwere Verletzungen und mussten notfallmedizinisch versorgt werden.
Ein Einsatzleiter schildert:
„Die Schneemassen waren extrem verdichtet. Trotz schneller Ortung blieb für mehrere Verschüttete keine Überlebenschance.“
Weitere tödliche Abgänge in Bad Hofgastein und der Steiermark
Nur kurze Zeit zuvor kam es im Raum Bad Hofgastein zu einem weiteren Unglück. Eine Frau wurde während einer Tour gemeinsam mit ihrem Ehemann von einer Lawine erfasst. Sie starb noch am Unglücksort unter den Schneemassen. Der Mann blieb körperlich unverletzt, erlitt jedoch einen schweren Schock.
Am späten Nachmittag folgte ein dritter Lawinenabgang in der Gemeinde Pusterwald in der Steiermark. Sieben Skitourengeher aus Tschechien waren dort unterwegs, als sich ein Schneebrett löste. Drei Personen wurden vollständig verschüttet und konnten nur noch tot geborgen werden.
Warum die Lawinengefahr derzeit besonders hoch ist
Nach Angaben der Bergrettung ist die aktuelle Schneedecke äußerst instabil. In vielen Regionen sind Alt- und Neuschnee nur schlecht miteinander verbunden. Bereits das Gewicht eines einzelnen Skifahrers kann ausreichen, um ein Schneebrett auszulösen. Besonders tückisch ist, dass Gefahrenstellen oft kaum erkennbar sind.
Ein Sprecher der Bergrettung erklärt:
„Diese Tragödien zeigen schmerzhaft, wie ernst die Lage ist. Selbst erfahrene Tourengeher sind aktuell stark gefährdet.“
Erster Neuschnee seit Wochen verschärft die Lage
Nach mehreren schneearmen Wochen fielen in den Alpen zuletzt regional zwischen 20 und 50 Zentimeter Neuschnee. Diese neue Schneeschicht liegt vielerorts auf einer harten, vereisten Altschneedecke. Dadurch entstehen sogenannte Schwachschichten, die bei Belastung leicht brechen. Das Risiko steigt insbesondere oberhalb von etwa 2000 Metern Höhe.
Lawinenexperten betonen, dass gefährdete Zonen derzeit in nahezu allen Hangrichtungen vorkommen. Viele dieser Bereiche seien zudem vom frischen Schnee überdeckt und selbst für geübte Augen kaum zu erkennen.

Einsatzkräfte im Dauereinsatz
Bei den drei Unglücken waren insgesamt mehr als 200 Einsatzkräfte im Einsatz. Bergrettung, Hundestaffeln und Notärzte arbeiteten unter schwierigen Bedingungen. Die Bergung der Opfer gestaltete sich aufgrund der Geländeform und der Schneemassen äußerst anspruchsvoll. Mehrere Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Ein erfahrener Retter sagt rückblickend:
„Solche Einsätze gehen auch an den Helfern nicht spurlos vorbei. Die Situation war extrem belastend.“
Übersicht: Die aktuellen Lawinenunglücke in Österreich
| Region | Höhe | Betroffene | Todesopfer |
|---|---|---|---|
| Großarltal (Salzburg) | ca. 2150 m | Skitourengruppe | 4 |
| Bad Hofgastein | alpines Gelände | Paar | 1 |
| Pusterwald (Steiermark) | Hochlage | Skitourengruppe | 3 |
Behörden appellieren an Skitourengeher
Angesichts der dramatischen Ereignisse richten Behörden und Rettungsdienste erneut eindringliche Appelle an Wintersportler. Touren abseits gesicherter Pisten sollten derzeit möglichst vermieden werden. Eine sorgfältige Planung, aktuelle Lawinenberichte und defensives Verhalten seien unerlässlich. Im Zweifel gilt: umkehren statt riskieren.
Lawinenexperten weisen zudem darauf hin, dass technische Ausrüstung allein keine Sicherheit garantiert. Entscheidend sei eine realistische Einschätzung der Lage und die Bereitschaft, geplante Routen kurzfristig zu ändern.
Situation bleibt angespannt
Nach Einschätzung der Fachleute ist kurzfristig keine Entspannung der Lawinenlage in Sicht. Weitere Schneefälle oder Temperaturschwankungen könnten die Situation zusätzlich verschärfen. Die jüngsten Todesfälle gelten bereits jetzt als das bisher tödlichste Lawinenwochenende dieser Saison in den Alpen.
Die Behörden kündigten an, die Entwicklung weiterhin genau zu beobachten. Wintersportler werden aufgefordert, Warnungen ernst zu nehmen und ihre eigene Sicherheit an erste Stelle zu setzen.
