In Berlin sind Spatzen deutlich seltener geworden. Das zeigt die aktuelle Auswertung der bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“, die jährlich vom Naturschutzbund durchgeführt wird. Laut NABU wurden in der Hauptstadt im Vergleich zum Vorjahr 46 Prozent weniger Haussperlinge gemeldet. Damit verliert der Spatz erstmals seit Jahren seine Spitzenposition unter den am häufigsten beobachteten Vogelarten, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit t-online.de.
Auch viele Berlinerinnen und Berliner berichten, dass sie Spatzen im Alltag kaum noch wahrnehmen. Was früher als allgegenwärtiges Stadtgeräusch galt, wird zunehmend zur Ausnahme. Der NABU spricht von einem alarmierenden Signal für die Stadtnatur.
Auch Feldsperlinge stark betroffen
Nicht nur der Haussperling ist vom Rückgang betroffen. Auch beim Feldsperling zeigen die Daten eine negative Entwicklung. Im Vergleich zu 2025 gingen die Sichtungen dieser Art um 39 Prozent zurück. Damit betrifft der Rückgang nicht nur eine einzelne Vogelart, sondern deutet auf ein breiteres Problem im urbanen Ökosystem hin.

Ornithologen weisen darauf hin, dass beide Arten ähnliche Lebensräume nutzen. Ein Rückgang bei mehreren Sperlingsarten verstärkt die Sorge, dass grundlegende Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Mögliche Ursachen: Wetterextreme und Klimafaktoren
Nach Einschätzung des NABU Berlin lassen sich die aktuellen Zahlen nicht allein durch bekannte Probleme wie fehlende Brutplätze oder Nahrungsmangel erklären. Rainer Altenkamp, Vorsitzender des NABU Berlin, spricht von einem „alarmierenden Einbruch“. Besonders das kalte und trockene Frühjahrswetter sowie der jüngste Kälteeinbruch im Winter könnten den Vögeln zugesetzt haben.
Extreme Wetterlagen erschweren die Nahrungssuche erheblich. Insekten treten seltener auf, Samen trocknen aus, und Jungvögel haben geringere Überlebenschancen. Gerade kleine Vogelarten reagieren sehr empfindlich auf solche Veränderungen.
Stadtumbau und Flächenversiegelung als Dauerproblem
Unabhängig vom Wetter sehen Naturschützer langfristige strukturelle Ursachen. In vielen deutschen Großstädten gehen Spatzenbestände seit Jahren zurück. Gründe sind unter anderem Sanierungen von Altbauten, das Verschließen von Nischen und Dachspalten sowie die zunehmende Versiegelung von Flächen. Grünflächen werden kleiner, Hecken verschwinden, und damit auch wichtige Rückzugsorte.
Berlin galt lange als vergleichsweise „spatzenfreundlich“. Doch der aktuelle Rückgang zeigt, dass auch die Hauptstadt keine Ausnahme mehr ist. Der urbane Lebensraum wird für Vögel zunehmend feindlich.

Bundesweiter Trend bestätigt Entwicklung
Der Blick auf die bundesweiten Zahlen bestätigt den negativen Trend. Deutschlandweit wurden bei der diesjährigen Vogelzählung 15 Prozent weniger Haussperlinge registriert als im Vorjahr. Berlin fällt mit seinen besonders starken Verlusten jedoch deutlich aus dem Rahmen. Experten sehen die Hauptstadt damit als Frühwarnsystem für Entwicklungen, die auch andere Städte betreffen könnten.
Ein Naturschutzexperte erklärt:
„Wenn selbst Berlin solche Rückgänge zeigt, müssen wir von einem strukturellen Problem ausgehen.“
Weitere Untersuchungen geplant
Um die Ursachen genauer zu klären, plant die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (BOA) eine detaillierte Erfassung der Brutbestände. Diese Untersuchung soll Ende April starten. Ziel ist es, festzustellen, ob sich der negative Trend fortsetzt oder ob es sich um einen kurzfristigen Einbruch handelt. Die Ergebnisse sollen Grundlage für weitere Schutzmaßnahmen sein.
Der NABU fordert parallel eine intensivere Ursachenforschung. Nur so lassen sich gezielte Maßnahmen entwickeln, um den Spatzbestand zu stabilisieren.
Übersicht: Rückgang der Sperlingsarten in Berlin
| Vogelart | Rückgang gegenüber Vorjahr |
|---|---|
| Haussperling | −46 % |
| Feldsperling | −39 % |
| Bundesweiter Durchschnitt (Haussperling) | −15 % |
Warum der Spatz ein wichtiger Indikator ist
Der Haussperling gilt als sogenannter Kulturfolger. Sein Vorkommen zeigt an, wie lebenswert Städte für Tiere sind. Verschwindet der Spatz, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen im urbanen Raum hin. Naturschützer sehen darin ein Warnsignal, das weit über eine einzelne Vogelart hinausgeht.
Der Spatz ist kein Luxusproblem, sondern ein Gradmesser für die ökologische Gesundheit der Stadt.
Was Experten und Bürger jetzt fordern
Fachleute plädieren für mehr Grünflächen, vogelfreundliche Bauweisen und den Erhalt alter Strukturen. Auch private Initiativen können helfen, etwa durch das Anbringen von Nistkästen oder das Schaffen naturnaher Gärten. Viele Bürger zeigen sich besorgt und wünschen sich mehr Engagement der Stadtpolitik.
Ein Berliner Vogelkundler fasst es so zusammen:
„Wenn wir den Spatz retten wollen, müssen wir unsere Städte lebenswerter machen – für Tiere und Menschen gleichermaßen.“
