In Taipeh hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 46-jährigen Taxi-Fahrer erhoben. Ihm wird Aussetzung mit Todesfolge vorgeworfen, nachdem er einen 25-jährigen Fahrgast auf dem Provincial Highway 64 zurückgelassen haben soll, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit focustaiwan.tw.
Der junge Mann wurde kurze Zeit später von mehreren Fahrzeugen erfasst und tödlich verletzt. Die Ermittlungen führten zu dem Vorwurf, dass der Fahrer wusste, dass der Passagier nicht in der Lage war, sich selbst zu schützen.
Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 25. Januar. Der Fahrer, mit Nachnamen Lin, hatte die Fahrt über die Plattform Bolt angenommen und den Fahrgast im Bezirk Wenshan aufgenommen. Ziel war der Bezirk Banqiao in Neu-Taipeh.

„Nach derzeitigem Stand besteht hinreichender Tatverdacht“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Ablauf der Nacht auf dem Highway 64
Nach Angaben der Ermittler soll der Beifahrer während der Fahrt plötzlich auf der Rückbank zusammengebrochen sein. Medienberichten zufolge stand der Mann möglicherweise unter Alkoholeinfluss. Der Fahrer stoppte sein Fahrzeug zwischen Fahrspur und Lärmschutzwand – ein Bereich, in dem Halten ausdrücklich untersagt ist.
Er forderte den Fahrgast auf auszusteigen, obwohl dieser laut Anklage „nicht in der Lage war, sich selbst zu schützen“. Kurz nachdem der Mann das Fahrzeug verlassen hatte, brach er auf der Fahrbahn zusammen.
Er lag regungslos auf der Straße. Mehrere Fahrzeuge näherten sich. Niemand konnte rechtzeitig reagieren.
Zwischen 2:22 Uhr und 2:31 Uhr wurde der Mann von vier Fahrzeugen überrollt. Die Ermittler sprechen von schweren Kopfverletzungen und massivem Blutverlust als Todesursache.
Rechtliche Bewertung und Anklagepunkte
Die Staatsanwaltschaft sieht den Straftatbestand der Aussetzung mit Todesfolge gemäß Artikel 294 des Strafgesetzbuches als erfüllt an. Der Beschuldigte wurde gegen eine Kaution von umgerechnet rund 6.359 US-Dollar freigelassen. Zusätzlich wurden Reisebeschränkungen und elektronische Überwachung angeordnet.
Das Verfahren wird nach dem Citizen Judges Act geführt. Dieses Gesetz sieht vor, dass neben drei Berufsrichtern auch sechs Bürger als Laienrichter über besonders schwere Straftaten entscheiden.
Ein Strafrechtsexperte erläutert:
„Bei vorsätzlichen Taten mit Todesfolge oder drohenden Freiheitsstrafen von mehr als zehn Jahren ist dieses Verfahren verpflichtend.“
Parallel dazu werden die vier Fahrer, die den Mann erfasst haben, wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung untersucht.

Wichtige Fakten zum Fall im Überblick
- Tatort: Provincial Highway No. 64
- Datum: 25. Januar, gegen 2:00 Uhr nachts
- Anklagepunkt: Aussetzung mit Todesfolge
- Gesetzliche Grundlage: Artikel 294 Strafgesetzbuch
- Verfahren nach: Citizen Judges Act
- Weitere Ermittlungen wegen: fahrlässiger Tötung
Juristische Einordnung und mögliche Konsequenzen
Die zentrale Frage des Verfahrens lautet, ob der Fahrer seine Fürsorgepflicht grob verletzt hat. Laut Anklage wusste er, dass der Passagier hilflos war. Zudem war das Halten auf der Schnellstraße untersagt. Damit könnte ein vorsätzliches oder zumindest bewusst fahrlässiges Verhalten vorliegen.
In vergleichbaren Fällen drohen Freiheitsstrafen von zehn Jahren oder mehr. Die Entscheidung liegt nun bei einem Gremium aus Berufs- und Bürger-Richtern.
Ein Vertreter einer Opferhilfeorganisation betont:
„Solche Fälle zeigen, wie wichtig verantwortungsvolles Handeln im Straßenverkehr ist.“
Technischer und zeitlicher Ablauf
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 02:07 Uhr | Abholung des Fahrgastes |
| ca. 02:20 Uhr | Halt auf Highway 64 |
| 02:22–02:31 Uhr | Überfahren durch vier Fahrzeuge |
| 13. Februar | Offizielle Anklageerhebung |
Die Tragödie dauerte nur wenige Minuten. Die juristische Aufarbeitung wird jedoch Monate in Anspruch nehmen. Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großer Aufmerksamkeit.
Der Prozess könnte richtungsweisend für die Anwendung des Citizen Judges Act bei Verkehrsstraftaten werden. Gleichzeitig bleibt die strafrechtliche Verantwortung der weiteren beteiligten Fahrer Gegenstand laufender Ermittlungen.
