In Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ist am Sonntagvormittag ein Stück Industriegeschichte verschwunden. Der 275 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steinkohlekraftwerks wurde kontrolliert gesprengt. Mit dem markanten Bauwerk fällt eines der sichtbarsten Symbole der regionalen Kohlevergangenheit – und macht Platz für ein Projekt der Energiewende in NRW, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit tagesschau.de.
Mehrere Sirenensignale, eine kurze Vorsprengung zum Vertreiben von Tieren – dann folgte der entscheidende Moment. Innerhalb weniger Sekunden sackten drei Gebäude in sich zusammen, darunter auch der riesige Schlot. Stehen blieb lediglich der Treppenturm, exakt wie es die Planungen vorgesehen hatten.
Es war ein dumpfer Knall. Eine Staubwolke stieg auf. Dann war der „lange Lulatsch“ Geschichte.
Technische Details der kontrollierten Sprengung
An drei definierten Punkten des Schornsteins in Ibbenbüren waren Sprengladungen angebracht. Insgesamt kamen rund 600 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. Durch die gezielte Anordnung faltete sich der Turm in mehrere Segmente, der untere Teil knickte ab, während die oberen Bereiche durch die tiefhängende Wolkendecke stürzten.
Die verantwortliche Firma setzte auf ein präzises Konzept. Rund 150 Mitarbeitende waren in die Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeiten eingebunden. Zusätzlich sorgten etwa 100 Kräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und weiteren Behörden für umfassende Sicherheitsmaßnahmen.
Ein beteiligter Sprengmeister erklärte vor Ort:
„Solche Projekte erfordern millimetergenaue Planung. Der Ablauf war exakt berechnet – vom ersten Signal bis zum letzten Fall.“
Trotz Nieselregens und dichter Bewölkung verlief alles nach Plan. Nur starker Sturm hätte die Arbeiten gefährden können.
Wetter, Spannung und bange Blicke
Schon am Morgen richteten sich zahlreiche Augen auf den riesigen Schlot. Allerdings nicht aus Sorge vor technischen Problemen. Die häufigste Frage lautete vielmehr, ob man den Fall bei den schlechten Sichtverhältnissen überhaupt sehen würde.

Viele Besucher erinnerten sich an frühere Sprengungen bei besserem Wetter.
„Beim letzten Mal war das Wetter besser“, sagte ein Anwohner und lachte, während er in den grauen Himmel blickte.
Der Industrieschlot war zeitweise kaum zu erkennen. Dennoch war die Atmosphäre gespannt – ein emotionaler Abschied von einem Bauwerk, das Jahrzehnte das Stadtbild geprägt hatte.
Was nun auf dem Gelände geplant ist
Nach der vollständigen Räumung des Areals soll die Fläche im Sommer an den Netzbetreiber Amprion übergeben werden. Geplant ist dort ein moderner Konverter für Nordsee-Windstrom.
Dieser Konverter wird Offshore-Windenergie umwandeln und in das Stromnetz von Nordrhein-Westfalen einspeisen. Damit entsteht in Ibbenbüren ein zentraler Knotenpunkt für erneuerbare Energie.
Laut Planungen könnte die Anlage je nach Verbrauch zwischen ein und zwei Millionen Menschen mit Strom versorgen. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2031 vorgesehen. Damit wäre Ibbenbüren der erste Standort in NRW, an dem Offshore-Strom direkt eingespeist wird.
Ein Energieexperte kommentierte:
„Die Umwandlung ehemaliger Kohlekraftwerksflächen ist ökologisch sinnvoll. So wird keine zusätzliche Fläche versiegelt.“
Von Kohle zu Windkraft – ein Symbol des Wandels
Die Sprengung des Kraftwerks Ibbenbüren steht sinnbildlich für den Strukturwandel in Deutschland. Wo einst Kohle verbrannt wurde, soll künftig sauberer Strom aus Windenergie fließen.

Wichtige Eckdaten zum Projekt im Überblick:
- Rückbau des ehemaligen Kohlekraftwerks Ibbenbüren
- 275 Meter hoher Schlot kontrolliert gesprengt
- 600 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt
- Bau eines Offshore-Konverters geplant
- Netzanschluss ab 2031 vorgesehen
Die Transformation zeigt, wie industrielle Infrastruktur neu gedacht werden kann.
Ergebnisse der Sprengung und Projektfahrplan
| Bereich | Status 2026 | Ziel |
|---|---|---|
| Schornstein | vollständig gesprengt | Rückbau abgeschlossen |
| Kraftwerksgebäude | weitgehend entfernt | Flächenfreimachung |
| Geländeübergabe | geplant Sommer 2026 | Übergabe an Amprion |
| Konverterbau | Vorbereitung | Inbetriebnahme 2031 |
Der Rückbau verläuft planmäßig. Nach Abschluss aller Sicherungsarbeiten beginnt die nächste Phase der Entwicklung.
Wo früher Rauch aufstieg, wird künftig Windstrom fließen. Die Geräusche der Turbinen ersetzen das Dröhnen der Kessel. Und Ibbenbüren schreibt ein neues Kapitel seiner Energiegeschichte.
Mit der kontrollierten Sprengung des ehemaligen Steinkohlekraftwerks ist nicht nur ein Bauwerk verschwunden, sondern auch ein Abschnitt der Industrieära abgeschlossen. Gleichzeitig entsteht Raum für moderne Infrastruktur, die langfristig Millionen Haushalte versorgen kann. Die Kombination aus präziser Technik, umfangreicher Sicherheitsplanung und klarer Zukunftsstrategie macht dieses Ereignis zu einem markanten Schritt im Rahmen der deutschen Energiewende.
