Die Zahl der Vogelgrippefälle in deutschen Geflügelbetrieben nimmt weiter zu. Besonders in Norddeutschland mussten bereits über 500.000 Nutztiere getötet werden, nachdem das Virus auf mehreren Höfen ausgebrochen war. Auch infizierte Wildvögel werden täglich gemeldet, was die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung verstärkt, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit br.de.
Verbraucher fragen sich nun, ob der aktuelle Ausbruch zu höheren Preisen bei Eiern und Geflügel führen könnte. Der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft rechnet laut seinem Vorsitzenden Robert Schmack zwar mit möglichen Preisanstiegen, bleibt aber vorsichtig. Aktuell ist die Versorgungslage in Deutschland stabil, doch Fachleute beobachten die Entwicklung genau.
Bayern warnt vor möglichen Engpässen
Robert Schmack vom bayerischen Geflügelverband erklärte, dass im Falle größerer Keulungen von Beständen eine Preissteigerung um bis zu 50 Prozent denkbar wäre. Grund dafür wäre ein Mangel an Geflügelprodukten, sollte sich das Virus stärker verbreiten. Noch jedoch bleibt die Situation weitgehend unter Kontrolle, da bisher nur ein kleiner Teil des deutschen Tierbestandes betroffen ist.
Die Landwirtschaft arbeitet mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Besonders Großbetriebe stehen unter Beobachtung, weil dort bei einem Ausbruch schnell zehntausende Tiere betroffen sein könnten. Trotz der Sorgen sieht die Branche aktuell keinen Grund für Panik. Der Markt könne kleinere Ausfälle durch Importe oder Umverteilung ausgleichen.
Eierverbrauch und aktuelle Preise
Deutschland zählt zu den Ländern mit dem höchsten Eierverbrauch in Europa. Laut Statistischem Bundesamt lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2024 bei 249 Eiern pro Jahr, Tendenz steigend. Insgesamt wurden rund 20,8 Milliarden Eier konsumiert. Das Ei gilt nach wie vor als günstiges Grundnahrungsmittel, das sich in Zeiten hoher Inflation als preisstabil erwiesen hat.
Der Preis für zehn Eier aus Bodenhaltung liegt derzeit bei etwa 2,20 Euro, für Bioeier bei rund 3,50 Euro. Fachleute wie Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) betonen, dass langfristige Lieferverträge zwischen Handel und Erzeugern größere Preisschwankungen verhindern. Deshalb rechnet die Branche vorerst nicht mit drastischen Veränderungen.
Geflügelmarkt bleibt stabil
Auch beim Geflügelfleisch sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium keine akute Gefahr für Engpässe. Im Gegenteil: Der Verbrauch von Geflügel ist in den letzten Jahren weiter gestiegen und lag 2024 bei rund 13,6 Kilogramm pro Person. Trotz der Keulungen in Norddeutschland ist Deutschland insgesamt gut mit Geflügel versorgt.
Die Importe aus europäischen Nachbarländern tragen ebenfalls zur Stabilität des Marktes bei. Ein Sprecher von Landwirtschaftsminister Alois Rainer betonte, dass derzeit keine Preisanhebungen gerechtfertigt seien. Die Produktionsketten liefen normal, und auch der Handel meldet keine Lieferschwierigkeiten. Sollte sich die Lage allerdings verschärfen, könnte dies mittelfristig zu Anpassungen führen.
Nachfrage zu Weihnachten
Traditionell steigt der Verbrauch von Eiern und Geflügel in der Vorweihnachtszeit deutlich an. Besonders beim Backen greifen viele Haushalte vermehrt zu Eiern, während Gänse und Enten rund um die Feiertage gefragt sind. Dennoch sehen Handelsverbände aktuell keine Engpässe.
Der Selbstversorgungsgrad bei Gänsen liegt in Deutschland zwar nur bei rund 20 Prozent, die meisten Produkte stammen aus Polen und Ungarn. Ein breiter Ausbruch der Vogelgrippe in Osteuropa könnte langfristig zu Verknappungen führen, derzeit ist dies jedoch nicht der Fall. Verbraucher müssen sich laut Handelsverband Bayern keine Sorgen machen, dass Produkte fehlen oder deutlich teurer werden. Die Märkte seien gut vorbereitet, um saisonale Spitzen abzufedern.
Wie sich die Lage entwickeln könnte
Bislang wurden in Deutschland nur ein Bruchteil der landesweit mehr als 167 Millionen Geflügeltiere getötet. Experten gehen deshalb davon aus, dass sich die Versorgungslage kurzfristig nicht verschlechtern wird. Sollte die Vogelgrippe jedoch auf größere Betriebe in Süddeutschland übergreifen, könnten sich die Auswirkungen verstärken.
Der Handel beobachtet die Situation eng und arbeitet an Notfallstrategien, um Lieferengpässe zu vermeiden. Laut Marktexperten könnte die größte Herausforderung in der Logistik liegen, sollte es in mehreren Regionen gleichzeitig zu Sperrzonen kommen. Vorerst gilt aber: Keine akute Gefahr für Verbraucher, die Regale bleiben gefüllt.
Die aktuelle Ausbreitung der Vogelgrippe sorgt zwar für Besorgnis in der Geflügelwirtschaft, doch von einer Preisexplosion kann keine Rede sein. Eier und Geflügel bleiben für Verbraucher gut verfügbar, und bestehende Verträge zwischen Handel und Erzeugern stabilisieren die Preise. Auch der Import aus Nachbarländern trägt dazu bei, mögliche Engpässe zu vermeiden. Die Situation bleibt unter Beobachtung, doch derzeit gibt es keinen Anlass zur Sorge. Fachleute geben Entwarnung: Weder bei Eiern noch bei Geflügel droht eine unmittelbare Verknappung.
