Venezuela besitzt einen der größten natürlichen Reichtümer der Welt, nutzt ihn jedoch kaum. Nach Aussagen von US-Präsident Donald Trump fördert das Land angesichts seines Potenzials „fast nichts“, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit n-tv.de.
Diese Einschätzung kommt nicht zufällig, denn die Diskrepanz zwischen vorhandenen Reserven und tatsächlicher Produktion ist enorm. Während andere Länder ihre Ölindustrie ausgebaut haben, steckt Venezuelas Energiesektor seit Jahren in der Krise. Die jüngsten politischen Ereignisse haben das Thema erneut ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit gerückt.
Trump machte deutlich, dass es bei der US-Politik gegenüber Venezuela nicht nur um Sicherheitsfragen geht. Das Öl des Landes spielt dabei eine zentrale Rolle. Nach seiner Darstellung könnte der Reichtum im Boden enorme Einnahmen generieren, wenn er konsequent genutzt würde. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie groß das ungenutzte Potenzial ist. Gleichzeitig wird deutlich, warum Venezuela bisher kaum davon profitiert.
Die größten bekannten Ölreserven der Welt
Venezuela verfügt über die weltweit größten bekannten Erdölreserven. Schätzungen zufolge machen sie rund ein Fünftel der global bekannten Vorkommen aus. Damit liegt das Land deutlich vor anderen großen Ölproduzenten wie Russland oder den USA. In internationalen Energieberichten wird Venezuela regelmäßig in einer Liga mit Saudi-Arabien genannt.
Ein Großteil dieser Reserven befindet sich im sogenannten Orinoco-Gürtel im Süden des Landes. Dort lagert schweres, extrem zähflüssiges Öl in großen Tiefen. Diese Vorkommen sind seit Jahrzehnten bekannt, galten jedoch lange Zeit als wirtschaftlich kaum nutzbar. Erst steigende Ölpreise und neue Technologien führten dazu, dass sie offiziell als förderbare Reserven anerkannt wurden.

Warum Förderung und Realität weit auseinanderliegen
Trotz der riesigen Vorkommen ist die tatsächliche Ölproduktion Venezuelas äußerst gering. Im Jahr 2024 lag sie bei weniger als einer Million Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Die USA fördern täglich mehr als 20 Millionen Barrel. Der Unterschied zwischen Potenzial und Realität könnte kaum größer sein.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Förderung von Schweröl ist technisch aufwendig und teuer. Zusätzlich leidet die venezolanische Ölindustrie unter jahrelanger Misswirtschaft, Korruption und fehlenden Investitionen. Viele Anlagen sind veraltet oder außer Betrieb, Fachpersonal fehlt, ebenso wie Kapital für Modernisierungen.
Technische und wirtschaftliche Hürden
Das Öl aus dem Orinoco-Gürtel ist besonders schwefelhaltig und muss aufwendig verarbeitet werden. Bevor es transportiert werden kann, muss es verflüssigt und teilweise aufbereitet werden. Dafür sind spezialisierte Anlagen notwendig, die in Venezuela nur begrenzt vorhanden sind. Gleichzeitig ist der Betrieb dieser Infrastruktur extrem kostenintensiv.
Hinzu kommt, dass nur ein Teil der bekannten Reserven tatsächlich wirtschaftlich nutzbar ist. Experten gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Vorkommen technisch gefördert werden kann, während nur ein Teil davon auch wirtschaftlich rentabel ist. Ohne ausländisches Know-how und massive Investitionen bleibt ein Großteil des Öls daher im Boden.
Soziale Folgen des ungenutzten Reichtums
Für die Bevölkerung Venezuelas hat der enorme Ölreichtum bislang kaum positive Effekte gehabt. Laut internationalen Organisationen lebten zuletzt rund vier von fünf Menschen in Armut. Millionen haben das Land in den vergangenen Jahren verlassen. Dabei ist Öl mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle des Staates.
Während sich die bekannten Ölreserven in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht haben, ist die Produktion drastisch eingebrochen. Seit den 1970er-Jahren sank sie auf einen Bruchteil ihres früheren Niveaus. Die Abhängigkeit von Öl, kombiniert mit schlechter Verwaltung, hat die wirtschaftliche Krise weiter verschärft.
Trumps Pläne und die Rolle der USA
Donald Trump sieht in Venezuelas Ölreichtum eine wirtschaftliche Chance. Er spricht davon, dass US-amerikanische Energiekonzerne investieren, die marode Infrastruktur reparieren und die Förderung wieder hochfahren könnten. Nach seiner Darstellung würde davon auch Venezuela profitieren. Gleichzeitig macht er deutlich, dass Widerstand gegen diese Pläne nicht akzeptiert würde.
In der US-Ölindustrie wird die Situation jedoch deutlich nüchterner betrachtet. Die politische Zukunft Venezuelas gilt als ungewiss, Investitionen sind mit hohen Risiken verbunden. Zudem ist offen, wie Einnahmen verteilt würden und ob sie tatsächlich der venezolanischen Bevölkerung zugutekämen. Klar ist jedoch: Venezuelas schlummernder Ölschatz bleibt einer der größten ungenutzten Rohstoffreichtümer der Welt.
