Die Diskussion um die HPV-Impfung gewinnt erneut an Dynamik. Anlass ist der bevorstehende Welt-HPV-Tag, bei dem Mediziner und Fachverbände auf die Bedeutung des Impfschutzes gegen Krebs aufmerksam machen, die eu-baustoffhandel.de berichtet mit nordkurier.de.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) das Risiko bestimmter Krebsarten erheblich senken. Dennoch zeigen aktuelle Zahlen, dass die Impfquote bei Jugendlichen weiterhin hinter den angestrebten Zielen zurückbleibt.
Warum HPV als Krebsrisiko gilt
HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. Schätzungen zufolge infizieren sich 85 bis 90 Prozent aller sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem Virustyp. Während einige Varianten lediglich gutartige Genitalwarzen verursachen, stehen andere in direktem Zusammenhang mit schweren Krebserkrankungen.
Besonders häufig wird das Virus mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Jährlich werden in Deutschland rund 4500 Neuerkrankungen diagnostiziert. Hinzu kommen zehntausende Behandlungen von Krebsvorstufen.
„Das Cervixkarzinom ist die häufigste durch HPV ausgelöste Krebserkrankung – und sie ist in vielen Fällen vermeidbar“, betont ein Vertreter des Berufsverbandes der Frauenärzte.
Doch auch Männer sind betroffen. Kehlkopf-, Anal- und Peniskrebs können ebenfalls durch HPV ausgelöst werden.

Studienlage: Wie wirksam ist die HPV-Impfung?
Die wissenschaftliche Datenlage gilt als eindeutig. Laut Fachgesellschaften schützt die Impfung vor bis zu 90 Prozent der entsprechenden Infektionen, die Krebs verursachen können. Besonders wirksam ist sie, wenn sie frühzeitig – idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt – erfolgt.
Langzeitdaten über einen Zeitraum von 15 Jahren zeigen einen anhaltenden Impfschutz. Die frühe Immunisierung gilt als besonders effektiv. Die Schutzwirkung bleibt stabil.
Ein Onkologe erklärt:
„Wir sprechen hier von einer der wenigen Impfungen, die direkt zur Krebsprävention beitragen. Das ist medizinisch ein Meilenstein.“
Impfquote bleibt hinter Erwartungen zurück
Trotz klarer Empfehlungen liegt die HPV-Impfquote in einigen Regionen deutlich unter dem Zielwert von 90 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern verfügen etwa 65 Prozent der 15-jährigen Mädchen und lediglich 47 Prozent der Jungen über einen vollständigen Impfschutz.
Experten sehen mehrere Ursachen:
- Fehlende Arztbesuche im empfohlenen Impfalter
- Unzureichende Aufklärung der Eltern
- Zurückhaltende Wahrnehmung der Krebsgefahr
- Verzögerungen durch pandemiebedingte Impflücken
Gesundheitsexperten fordern daher verstärkte Impfprogramme an Schulen sowie zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, um die Aufklärung zu verbessern.
Offizielle Empfehlungen zur HPV-Impfung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Vor dem 15. Geburtstag sind zwei Impfdosen erforderlich. Wird später begonnen, sind drei Dosen notwendig.
| Alter bei Impfstart | Anzahl der Dosen | Empfehlung |
|---|---|---|
| 9–14 Jahre | 2 | Standardempfehlung |
| Ab 15 Jahren | 3 | Nachholimpfung |
Mediziner raten dringend dazu, die vollständige Impfung vor dem ersten Sexualkontakt abzuschließen. Studien zeigen, dass bereits beim ersten Geschlechtsverkehr eine Ansteckung möglich ist.

Welt-HPV-Tag: Appell an Eltern und Jugendliche
Zum Welt-HPV-Tag betonen Fachärzte erneut die Bedeutung der Krebsprävention durch Impfung. Der Vorsitzende einer regionalen Krebsgesellschaft erklärte, dass die aktuellen Quoten zwar leicht über dem Bundesdurchschnitt liegen, jedoch weiterhin deutlich unter dem Zielwert bleiben.
„Wir brauchen mehr Aufklärung und niedrigschwellige Angebote, damit die HPV-Impfung selbstverständlich wird.“
Auch Eltern äußern sich zunehmend offen zum Thema. Eine Mutter sagte:
„Wenn eine Impfung mein Kind später vor Krebs schützen kann, sollte man diese Chance nutzen.“
Die Einführung zusätzlicher Vorsorgeuntersuchungen könnte künftig dazu beitragen, Informationslücken zu schließen und Impfangebote besser zugänglich zu machen.
Die aktuelle Debatte zeigt deutlich: Die HPV-Impfung schützt vor Krebs – wissenschaftlich belegt und medizinisch empfohlen. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, ausreichend viele Jugendliche rechtzeitig zu immunisieren. Fachgesellschaften, Ärzte und Gesundheitspolitiker setzen deshalb auf intensivere Aufklärung, strukturelle Verbesserungen im Vorsorgesystem und eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit, um das langfristige Ziel einer deutlich höheren Impfquote zu erreichen.
